Galatrona ist der Diamant in der Krone des Weinguts Petrolo und wird seit 1994 gemacht. Der reine Merlot kommt aus einer relativ kühlen, von Wald umgebenen, atemberaubend schönen Höhenlage, die oberhalb des Weinguts gelegen ist. Auf einem schmalen Streifen zwischen den alten Bäumen gibt es die magische Kombi aus Lehmboden, Schiefer, Mergel und Galestro-Steinen – der »Merlot Grand Cru« des genialen Winzers Luca Sanjust! Die Rebstöcke stammen zum Teil vom befreundeten Castello di Ama, und das nötige Know-how hat Luca im Bordeaux von Jacques Thienpont (VCC) und Denis Durantou (L’Église-Clinet) direkt im Pomerol erlangen können. Aus großer Überzeugung wie alle Petrolo-Weine in reinem Bioanbau gemacht. Der Wein wurde 18 Monate lang in französischem Holz ausgebaut, hauptsächlich in Barriques und Tonneaux – circa 30 Prozent davon neu –, aber auch ein paar größere Fässer fließen ein. Leuchtendes, tiefes Rubinrot mit einem Hauch Violett und eingefärbten Tränen am Glasrand. Ich probiere den Wein kurz vor seinem Release auf den Markt im September 2026. Die Nase strotzt nur so vor ihrer umwerfend attraktiven Aromatik! Opulente Noten reifer gemischter Waldbeeren duften in allen Formen und Farben um die Wette. Schlehen, Boysenbeeren, saftige Schwarzkirschen und erfrischende Hibiskusblüten sorgen für Spannung. Dazu kommen Veilchen und ein zarter Hauch Lavendel, die mit ein wenig Luft von druckvoll schiebender brauner Würze überdeckt werden: Muskatnuss, Nelke, Vanille, Darjeeling, Wacholderbeeren, frisch gedrehte Erde, rostiges Eisen und mediterrane Kräuter. Dieser Wein vibriert nur so vor Erdigkeit! Roter Ton, etwas rostiges Eisen, Fleisch, zart rauchige Noten, aber auch duftender, feuchter Waldboden und Heu. Beinahe mystisch steht die Frucht in gleicher Stärke 1:1 dieser vielschichtigen, verspielten und doch auch tiefgehenden Würze gegenüber. Der Mundeintritt dieses jungen Weins ist noch griffig mit vielen fein geschliffenen Tanninen von pudriger Textur, die von der geradlinigen Frische noch betont werden. Was für eine Spannung! Auch hier haben wir die perfekten Proportionen aus knackiger Säure und wilden Waldbeeren. Wieder Sauerkirschen, rote und schwarze Pflaumen, Hibiskus, 100-prozentige Schokolade, Zedernholz, ein Hauch Lakritz, Mokka und dann wieder viel brummende, braune Würze, aber auch ein Sammelsurium dezent bitterer mediterraner Kräuter. Thymian, Rosmarin und Salbei. Ein hervorragender Wein voll trinkanregender Spannung und Definition. Tiefgehend und doch so tänzelnd elegant. Geschmacklich eine Art Merlot mit der Identität eines Sangiovese – obwohl hier natürlich gar kein Sangiovese drin ist. Ein Merlot mit derartiger Präzision kann nur aus einem kühlen Mikroklima kommen. Hier ist nichts wuchtig oder fett, die beinahe staubige, monumentale Mineralik setzt der Frucht ihre Grenzen. Das ist kein ganz großer Galatrona, aber dafür ein sehr, sehr schöner – ein aromatisch umwerfender Wein, der die Trinkfreude hochleben lässt. In diesem jungen Stadium könnte man den Wein sicher unterschätzen, aber Ich probiere ihn über zwei Tage hinweg und bin sicher, mit etwas Flaschenreife wird der Stoff noch genialer und an Komplexität sowie Tiefe zulegen. Ein sehr, sehr schicker Galatrona, eher Klassiker als Blockbuster und dennoch ein Langstreckenläufer. Die überragende Balance dieses Weins ist verblüffend. Galatrona ist für mich der wilde Rocker neben dem geschliffenen klassischen Pianisten L’Apparita des Castello di Ama.