Tethys ist ein komplett neuer Wein bei Michael Wenzel und eigentlich ziemlich genau das, was man sich unter einem modernen pannonischen Weißwein vorstellen kann. Drei weiße Rebsorten, gemeinsam vergoren, Furmint spielt dabei aber klar die Hauptrolle. Eben ein Wein, der weniger über einzelne Rebsorten als vielmehr über die Landschaft rund um Rust sprechen soll. Kalk, Quarz und Schiefer, der Neusiedlersee direkt vor der Haustür, pannonische Wärme und gleichzeitig die kühlenden Einflüsse vom Leithagebirge. All das findet sich hier irgendwo in der Flasche wieder. Und dann wäre da noch der Name. Eigentlich sollte auf dem Etikett schlicht »Burgenland Weiß« stehen, doch die österreichische Weinbürokratie hatte andere Pläne. Also Tethys, benannt nach jenem prähistorischen Meer, dessen geologische Spuren bis heute in den kalkreichen Böden dieser Landschaft stecken. Ein ziemlich passender Name, denn auch der Wein hat etwas ausgesprochen Maritimes. Zwar schon im Sinne von Salzigkeit, aber auch in dieser kühlen und fast luftigen Art. Helle Frucht, etwas Zitrusschale und weißes Steinobst, Quitte, dazu kühle Kräuter und eine feine steinige Würze. Alles bleibt eher ruhig und subtil, nichts springt einen aromatisch an. Der Furmint gibt die Richtung vor: straff, eigenständig und mit dieser leicht herben, zupackenden Struktur. Am Gaumen wird Tethys dann erstaunlich saftig, gleichzeitig bleibt er wunderbar klar. Feiner Schmelz trifft auf salzige Mineralität, dahinter wieder Zitrus, etwas gelber Apfel und eine kühl-würzige Kräutrigkeit. Viel Zug über die Mitte und richtig schöner Grip zum Finale hin. Der Nachhall ist lang, trocken und fast kreidig-salzig. Ein ziemlich spannender Einstieg in Wenzels Furmint-Welt und vor allem ein Wein mit enormem Trinkfluss. Pannonien-Vibes pur, nicht warm und üppig, sondern kühl, salzig und wunderbar eigenständig, wie man es von Michael Wenzel kennt.