Analogue No. 9 ist Michael Wenzels Pinot Noir aus der Lage »Kleiner Wald«, einem kühlen, waldnahen Weingarten auf kargem Kalkboden mit besonders hohem Aktivkalkanteil. Genau diese Voraussetzungen waren 2024 Gold wert, denn der Jahrgang war im Burgenland extrem heiß. Wenzels Ansatz war deshalb ganz klar: bloß keine Schwere, sondern Frische und Spannung bewahren. 30 Prozent Ganztrauben gingen mit in die Gärung, danach reifte der Wein in der Amphore. Ziemlich konsequent Wenzel eben und das Ergebnis gibt ihm recht. Schon die Nase ist herrlich saftig und gleichzeitig erstaunlich kühl. Reife Sauerkirsche und Himbeermark stehen ganz vorne, alles wirkt total tänzelnd, dazu etwas Hagebutte und eine ganz feine kräutrige Würze. Die Frucht ist durchaus intensiv, aber niemals süßlich oder breit. Dahinter kommt immer wieder dieser kalkig-steinige Unterton durch, der den Wein sofort strafft und ihm eine fast etwas staubige Kühle gibt. Im Mund deutlich dichter, als die Nase zunächst vermuten lässt. Viel reife Kirsche, rote und dunkle Beeren, aber alles bleibt so wunderbar frisch. Die Säure zieht ziemlich geradlinig durch, dazu feines, leicht körniges Tannin und diese kalkige Griffigkeit. In der Mitte vielleicht nicht der dichteste Wein, dafür lebt er umso mehr von Spannung, Frische und seiner fast unbeschwerten, beerig-saftigen Art. Die Ganztrauben bringen zusätzliche Würze und Struktur, ohne dass es grün wird. Das Finale bleibt saftig, herb-kirschig und fein salzig. Ein ziemlich beeindruckender Balanceakt in diesem heißen Jahrgang: reife Frucht und durchaus Substanz, aber eben null Hitze schmeckbar. Eleganz, Frische und Grip statt burgenländischer Wucht. Pinot im typischen Wenzel-Stil, also immer puristisch, unangepasst und mit feinem Spiel.