Weingut HM Lang: Grüner Veltliner Amphore 7 2018

HM Lang: Grüner Veltliner Amphore 7 2018

Grüner Veltliner
weiß, trocken
11,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2038
mineralisch
naturbelassen
frische Säure
Lobenberg: 97/100
Österreich, Kremstal
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Grüner Veltliner Amphore 7 2018

97
/100

Die Amphore 7 ist kein neuer Wein bei Markus Lang im klassischen Sinn, sondern ein einmaliges Projekt, das sich über Jahre entwickelt hat, weshalb es davon auch nur diese eine Amphore gibt. Die Basis ist Grüner Veltliner aus 2018, einem extrem warmen, schnellen Jahrgang. Gerade einmal 65 Tage nach der Blüte waren die Trauben reif. Die Erträge waren hoch, und genau die Übermengen von Dritter Akt und Kalt und Klar bildeten später den Ausgangspunkt für Amphore 7. Zunächst liefen die beiden Partien getrennt: Dritter Akt im 600-Liter-Holz, Kalt und Klar im Stahltank. Markus ließ dabei bewusst Luft an die Weine, das Holzfass war zeitweise sogar nicht ganz gefüllt. 2020 wurden schließlich beide Partien in einer Amphore vereint, dazu kamen Hefen von bereits abgezogenen Weinen und nochmals Trauben. Immer wieder wurde aufgerührt, danach durfte der Wein ohne weitere Maßnahmen weiterreifen. Insgesamt weitere sechs Jahre Reife, komplett ohne Intervention. Die Nase ist dann sofort ziemlich verblüffend. Fast wie ein aufgefüllter Jura-Chardonnay, mit dieser feinen reduktiven Spannung und gleichzeitig einer gelbwürzigen, leicht gelbfruchtigen Seite. Reifer gelber Apfel, etwas Quitte und Orangenschale, dazu Haselnuss, Walnuss und eine feine nussige Tiefe. Dann getrocknete Wiesenblüten, heller Tabak, etwas Kamille und immer mehr Gestein. Nichts wirkt laut oder plakativ. Vielmehr entwickelt sich diese komplexe Mischung aus Würze, Reduktion, Nussigkeit und kühler Mineralität immer weiter mit Luft. Am Gaumen wird es dann richtig groß. Wow!! Nur 11 Prozent Alkohol, komplett trocken und trotzdem mit beeindruckender Struktur und enormer innerer Tiefe. Gelber Apfel, Quitte und Orangenschale treffen auf feinen phenolischen Grip, dazu Salz, Gesteinsabrieb und diese fast umamiartige, herzhafte Würze. Die nussigen Komponenten kommen hier noch deutlicher durch, etwas Haselnuss, Walnuss und ein Hauch heller Tabak. Gleichzeitig zieht die Säure den Wein immer wieder zurück auf die kühle, präzise Seite. Das enorm Spannende ist dieses permanente Changieren. Mal wirkt die Amphore 7 gelbwürzig und tief, dann wieder fast schwerelos und steinig. Mal nussig und umamiartig, dann wieder frisch, salzig und reduktiv. Viel Substanz, aber keinerlei Schwere. Große Finesse, enorme Struktur und eine fast kristalline Klarheit trotz der ganzen Tiefe. Hinten raus wird der Wein immer trockener und mineralischer. Orangenschale, getrocknete Wiesenblüten, Walnuss, heller Tabak, Salzmandel und feiner Gesteinsabrieb bleiben lange stehen. Und obwohl man stilistisch immer wieder an großen Jura-Chardonnay denken muss, entzieht sich Amphore 7 am Ende doch jeder Schublade. Zu eigenständig, zu eigenwillig, zu sehr Markus Lang. Eine einzige Amphore, insgesamt acht Jahre Reife und ein Wein, der in dieser Form schlicht nicht reproduzierbar ist. Absolut genial!

Mein Winzer

HM Lang

Markus Lang ist derzeit wohl der spannendste Produzent im Donau-Tal. Der in Wien arbeitende Ingenieur hat erst vor einigen Jahren angefangen seinen eigenen Wein zu bereiten und dennoch zählen die Veltliner und Rieslinge des Autodidakten bereits zu den spektakulärsten und interessantesten Weißweinen...

Grüner Veltliner Amphore 7 2018