Ein ziemlich besonderes Ding bei Franz Keller: Der Wiigärtle stammt aus einem alten Gewann der Bassgeige, bepflanzt 1979 mit Silvaner – ein Relikt aus einer Zeit, in der die Sorte am Kaiserstuhl noch deutlich weiter verbreitet war. Seit 2016 ist dies der erste reinsortige Silvaner des Weinguts, und auch künftig soll er nur in besonders geeigneten Jahren gefüllt werden. Ein Teil der Trauben blieb über Nacht auf der Maische, der andere wurde drei Tage lang angegoren, anschließend ging es zur Vergärung und zum Ausbau in Amphore und kleine gebrauchte Holzfässer. Unfiltriert und ohne Schwefelzugabe abgefüllt. Schon die Nase ist spannend, weil sie gleichzeitig reduktive Frische und einen ganz dezent oxidativen Einschlag zeigt. Zunächst zerstoßener Stein, Heu und getrocknete Kräuter, dann kommen Quitte, gelber Apfel und Salzzitrone dazu. Die Frucht bleibt aber klar im Hintergrund, denn der Wein spielt vor allem auf der kräuterwürzigen Ebene: Zitronenthymian, weißer Pfeffer und ein fast ätherischer Zug, ein bisschen was von Fenchel und Anis. Mit Luft wird er immer offener und reifer, zeigt auch etwas Marille und Netzmelone, ohne dabei ins Üppige zu kippen. Im Mund ist das satt und saftig, zugleich aber erstaunlich fein. Viel würziger Grip vom Maischekontakt, eine weichere Textur und darunter diese intensive, fast steinige Salzigkeit. Reifer Apfel, Quitte, herdsaftiger Biss, Grapefruitschale und erneut jede Menge Kräuter. Das hat Substanz, bleibt durch die tolle Frische aber jederzeit auf Spannung. Ein enorm eigenständiger, charaktervoller Silvaner zwischen Kraft, Würze und mineralischer Feinheit – und ein ziemlich überzeugendes Argument dafür, dass diese Rebsorte am Kaiserstuhl ein Comeback verdient hätte.