Der Spiegel ist immer der kühlere Gegenpol zum Rosenberg. Weniger opulent, weniger erhaben – dafür noch mehr Zug, noch mehr Frische. Ein Grand Cru durch und durch, aber eben auf der feineren, fast burgundischen Seite interpretiert. Genau das macht ihn so spannend.,Die Lage selbst zählt zu den höchstgelegenen im Weingut, mit bis zu 350 Metern Seehöhe. Windoffen, kühl geprägt, mit Böden aus Löss und Tertiärschotter. Die Reben wurzeln hier extrem tief, was dem Wein seinen Extrakt und seine Intensität verleiht, während die kühleren Einflüsse für diese vibrierende Frische sorgen. Oft der erste Riedenwein, der sich öffnet, aber mit enormem Entwicklungspotenzial. In der Nase zeigt sich sofort dieser eigenständige Stil. Zitrische Frische, Limettenschale und grüner Apfel, dazu helle Birne und ganz feine helle Blütenanklänge. Dahinter ein spannendes Spiel aus kühl anmutenden Wiesenkräutern aber mediterranen, ein Hauch Kamille, kombiniert mit einer leicht steinigen Mineralität. Wirkt sehr klar, fast kühl im Ausdruck, aber gleichzeitig vielschichtig. Am Gaumen dann richtig präzise. Saftig, straff und mit feinziselierter Struktur, getragen von einer lebendigen Säure. Die Frucht bleibt hell und frisch, Apfel und Zitrus, dazu diese zarte Würze und ein subtiler, fast kreidiger Grip. Der Wein hat weniger Schmelz als der Rosenberg, dafür eben diese auf andere Art verführerische Spannung Dynamik.,Was besonders auffällt, ist diese Kombination aus Finesse und Konzentration. Der Spiegel wirkt leichtfüßig, hat aber enormen Druck und Tiefe im Hintergrund. Fast ein bisschen burgundisch in seiner Textur, mit einer eleganten, seidigen Struktur. Im Finale extrem lang, salzig, würzig und mit anhaltender Frische. Ein Veltliner mit großer Präzision, enormer Länge und viel Energie. Spiegel ist nie ein lauter Grand Cru, sondern einer der feinsten und elegantesten Veltliner überhaupt – kühl, komplex und dabei doch unglaublich animierend.