Lobenberg: Die Reben kommen aus vielen Ersten und Großen Lagen von Phillip Wittmann, alles Kalkstein. Das ist richtig großes Material für einen Gutswein. Und trotzdem waren es die frischeren Trauben, die Trauben mit der höheren Säure. Dieser Estate Riesling (Estate steht in diesem Zusammenhang für 100 Prozent aus eigenen Weinbergen, ganz ohne jeden Zukauf von Trauben). Es sind bis auf eine Ausnahme nur Westhofener Trauben hier drin. Eine einzige Parzelle in Weißheim oberhalb des Morstein auf über 280 Metern Höhe geht mit ein für einen Frischekick. Der Gutswein von Wittmann gehört immer zu den besten des Landes. Er ist so clean, so straight, hat einen puren Kalksteinausdruck. Agrumenabrieb, gelbe Kiwi, wahnsinnig viel Spannung, aber zugleich die große Harmonie. Nichts eckt an, alles ruhig und gelassen wie 2012, wie 2022, aber vielleicht mit einem kleinen Touch mehr Pikanz in diesem Jahr, weil er etwas mineralgetragener wirkt. Dennoch hat es diese kalkige Pikanz, diese hohe zitrische Frische, es ist keineswegs ein fetter oder reicher Wein, den man dem Jahr eventuell andichten wollen würde, sondern ein schlanker und rassiger Riesling. Wirklich erstaunlich. Kompromisslos handwerklich und ohne Zugeständnisse an den weichgespülten Massengeschmack. Hohe Komplexität und irrer Grip, für einen Gutswein ist das großes Kino.