Lobenberg: Diese Lage hat Thomas Haag erst vor einigen Jahren erworben. Sehr alte Reben. Dies ist eine der auch von der Ausdehnung großen Spitzenlagen der Mosel mit fast mythischem Klang. Die Lage schließt sich an den Graacher Domprobst an und liegt in unmittelbarer Entfernung zur Wehlener Sonnenuhr. Sie ist sicherlich auch wegen Prüm eine der bekanntesten Lagen für Süßweine. Aber Thomas Haag macht hier ein Großes Gewächs, keinen restsüßen Wein. Das Himmelreich ist dunkler und kerniger in der Mineralität als die benachbarte Wehlener Sonnenuhr, die immer die große Feinheit ist. Thomas lässt die Großen Gewächse immer lange gären und es dauert lange, bis sie überhaupt filtriert und abgestochen werden, bis Anfang Juli. Dann werden sie im Spätsommer gefüllt. Die Nase dieses GGs ist klar und fein, aber durchaus intensiv. Von weißen, leicht grünlichen Früchten dominiert, aber gar nicht unterreif, sondern im besten Sinne schlank und fokussiert. Diese extreme Präzision der Weine von Thomas Haag ist schon erstaunlich, so geschliffen und direkt, steinig und pur in der Schiefermineralität. Aber zugleich ist es nie karg, hat immer auch etwas Verspieltes, Tänzerisches. Beim Himmelreich kommt noch eine geheimnisvolle, dunkle Mineralität durch, so ein ganz kühler Kern aus dunklem Gestein liegt in diesem Wein. Dazu aber als Puffer eine warme, reife Zitrusfrucht mit Grapefruit, Litschi und schlanker Quitte. Intensive Würze zeigend. Weniger scharf und drückend als letztes Jahr, dennoch eine tolle Intensität im Mund, eine irre Spannung, eine Pikanz, denn dieser Wein hat richtig mineralische Schärfe. Feine Bitterstoffe, die im Finale aufziehen. Er ist völlig botrytisfrei, ganz puristisch, aber mit einer salzig, mineralischen Schieferschärfe, die sich unendlich zieht. Und dazu diese feine Extraktsüße und diese sehr lebendige, frische Säure. Jedenfalls ist das kein reiner Powerwein, sondern ein filigranes Schieferwerk, das auf der Zunge tanzt. Kristallin und salzig unterlegt geht es nur geradeaus mit der kernigen Mineralität. Das Himmelreich ist immer besonders.