Wenn man am Ende der Lese noch kerngesunde Trauben mit weit über 10 Gramm Säure hängen hat, wäre man blöd, wenn man nichts für Eiswein hängen lässt, so Cornelius Dönnhoff. Am 22. Dezember gelesen, einem »Mittwoch«, daher der Name. Also einige Wochen später als im superfrühen 2020, in dem Eisweine in Oberhausen schon Ende November gelesen werden konnten – wie früher! In 2021 also später, aber noch immer vor Weihnachten, was an sich gut passt, da ist die Traubengesundheit noch in Schuss. Ein schwebendfeines Elixier mit Orangenschale, Mango, eingekochte Quitte, Marillenkompott, Schwarztee, Bienenwachs. Der 2021er ist auf der einen Seite klar intensiver, dichter und üppiger als der glockenklare und sehr schlanke 2020, der aber auch fast einen Monat früher gelesen wurde. Hier stehen alle Regler auf rechts, knackig-pikante Frische am Gaumen. Kandierter Ingwer, Zitronenschale, dann schiebt wieder viel Orange und Mango nach. Ein cremig-dichtes Ereignis, das von der saftig-frischen Papayasäure und leichter Grapefruitbitternote eingefangen wird im Nachhall. Ich bin hin und weg, wie schon im letzten Jahr ein großer Stoff, wenngleich total anders im Charakter. 98-100/100