Der Kastanienbusch ist ganz unumstritten Birkweilers »Grand Cru«. Es ist eine außergewöhnliche Lage, geprägt vom Rotliegenden, also stark eisenhaltigen Böden mit Ursprung im Permafrost, dazu Vulkangestein und schiefrige Bruchstücke. Recht steil, warm exponiert, aber schützend vom Pfälzer Wald umgeben. Der Kastanienbusch zeichnet sich typischerweise durch konzentrierte Kräuternuancen aus, ist immer auch der würzigste Wein bei Rebholz. Der 2023er wurde Ende September gelesen. Nach rund einem Tag Maischestandzeit wurde abgepresst, im Edelstahl vergoren und dann lange auf der Feinhefe belassen. Die Nase eröffnet erstmal mit rauchigen Gesteinsnoten. Feuerstein und Vulkangestein, dazu feine Würze von rosa Pfeffer und Noten von Rooibostee. Mit etwas Luft kommt auch zarte Frucht zum Vorschein. Blutorange, Weinbergspfirsich und sogar rote Johannisbeere. Wow, ist das steinig, tief und auch so unglaublich schick zugleich! Ein bisschen in Richtung Nahe-Riesling schon, fast eher untypisch für die Pfalz. Am Gaumen mit sattem, rötlichem Pfirsich, viel Saftigkeit. Etwas Thymian, reife, süße Zitrone und wieder Rooibostee. Große Spannung aus reifer Säurestruktur, die mit enormer Kraft über den Gaumen schiebt. Dazu ganz feinpolierte Phenolik, gepaart mit präziser, rötlich-erdiger Mineralität. Enorme Salzigkeit und auch ein bisschen Exotik wirken animierend, die immense Pikanz lässt die Augen schmal werden. Man, ist das komplexer, zupackender Stoff! Der Kastanienbusch wirkt dabei erstaunlich kühl und vibirierend, hat eine große Länge und Konzentration, durchaus mit Würze und Power, aber irgendwie dann doch filigran werdend im Nachhall. So spannend und vielschichtig, dass es schwer ist den Wein so richtig in Worte zu fassen. Ein klassischer Rebholz in seiner Stilistik, durchaus etwas fordernd, aber wer diesen Stil mag, wird 2023 lieben. Das ist groß!