Der Wein stammt aus einem uralten Weingarten, den Toni Bodenstein für 99 Jahre vom Kloster Melk gepachtet hat. Das Kammergut ist eine winzige, maximal 0,6 Hektar große Parzelle innerhalb des insgesamt nur rund zwei Hektar umfassenden Zwerithalers. Sie zieht sich hoch hinauf in extrem steile, schwer zugängliche Terrassen. Die Reben wurden bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gepflanzt, ein Teil stammt aus dem Jahr 1907. Über 100 Jahre alt und bis heute nahezu unverändert erhalten. Wohl auch deshalb, weil hier selbst eine Rodung ausschließlich von Hand möglich wäre. Die genetische Vielfalt innerhalb des Weinbergs ist einzigartig. Unterschiedliche Blattformen, verschieden große und zu unterschiedlichen Zeitpunkten reifende Trauben, alles Grüner Veltliner und doch jeder Stock ein wenig anders. Die Trauben sind ungewöhnlich klein und lockerbeerig. Toni Bodenstein entnimmt hier regelmäßig Selektionen, um dieses alte genetische Material für die Zukunft zu bewahren. Ausbau im Edelstahl, fünf Monate Kontakt mit der Feinhefe, nur zu Beginn sanft aufgerührt. Im Vergleich der großen Veltliner von Prager ist das Kammergut zunächst der verschlossenste Wein. Die Nase zeigt wenig Vordergründiges, aber enorme Dichte und Tiefe. Wilde Kräuter, weißer Pfeffer, Fenchelsaat und fein abgeriebene Zitrusschale, darunter weißer Pfirsich, kühle Birne und ein Hauch Anis. Sehr würzig, fast vegetabil, aber auf eine ungemein feine und noble Art. Mit Luft wird die Frucht weiter und heller, ohne jemals laut zu werden. Alles ist kristallklar, kühl und in sich ruhend. Ein Wein, der einen nicht anspringt, sondern langsam ins Glas hineinzieht. Am Gaumen dann von beeindruckender Präsenz. Samtig und einnehmend wie ein großer Chardonnay, zugleich vital, saftig und glasklar wie nur ein großer Grüner Veltliner sein kann. Weißer Pfirsich, Birnenmark, Zitruszeste und feine Kräuterwürze liegen dicht am Gaumen, darunter Süßholz, etwas grüner Tee und eine salzige, immer stärker werdende Steinigkeit. Sehr konzentriert, aber fast schwerelos. Der Wein haftet minutenlang, baut immer mehr Druck und mineralische Tiefe auf und bleibt dennoch vollkommen frei von Schwere. Im Finale öffnet sich ein regelrechter Sog aus nassem Stein, Salz und kühler Kräuterwürze. Sicher einer der kraftvolleren Veltliner bei Prager, 2025 aber gleichzeitig besonders hell, fein und tänzelnd. Ein großer, tiefgründiger Wein, der in der Jugend nur einen Bruchteil seiner späteren Komplexität zeigt. Stark!,