Der Schieferkristall ist quasi der Einstiegswein des Hauses. Eigentlich ein klassisches Kabinett trocken von der Ruwer, oder, wie es beim VDP heute heißt, eben der Gutswein. Nur eigene Trauben aus der Großen Lage Karthäuserhof werden verwendet, das ist eigentlich ein abgestufter Grand Cru als Gutswein, schon irre. Genau für diesen Weintyp steht das Eitelsbacher Tal, dieses Kristalline und die Schlankheit. In 2022 stammt auch der Schieferkristall nur aus den älteren Reben, weil aufgrund der großen Trockenheit die jüngeren Reben abgestuft wurden in den Gutswein darunter. Ein straffer, zarter Duft mit feinen Zitrusnoten, Kräutern und Flieder. Diesen Namen Schieferkristall trägt er schon zu recht, denn der Wein ist enorm klar, präzise und so kristallin wie ein Riesling sein kann. Im Mund kommt auch ein feiner Schmelz dazu, hier merkt man vielleicht ein bisschen die frankophile Handschrift von Kellermeister Mathieu Kauffmann. Wir haben hier jetzt auch ein klein wenig Holzausbau, früher war es nur Stahl, manche Behälter durchlaufen auch eine Malo, wie es bei Buhl auch war. Das gibt ein bisschen mehr cremigen Schmelz. Toller Kombination aus diesem schmelzenden Kern zu der Rasse und dem leichtfüßigen Geradeauslauf eines Eitelsbacher Rieslings. Die Kühle und Präzision sind einzigartig, der Karthäuserhof ist aufgrund des Klimawandels einer der wenigen Orte in Deutschland, die überhaupt noch so superschlanke und leichte Rieslinge hervorbringen können. Tolle Eleganz, überhaupt nicht aggressiv, super Trinkfluss. Feuerstein ohne Ende, aber ganz fein. Diese Handschrift von Mathieu passt schon sehr gut zu diesen sehr mineralischen Karthäuserweinen. 93/100