In 2022 war die Trockenheit das bestimmende Thema über den Sommer, dann kam der Regen im Herbst, der zu einem mutigen Wartespiel wurde. Alexander hat einen Großteil seiner Trauben vor dem Regen geholt, weil er nicht pokern wollte oder anders gesagt die reifen Trauben reinholen wollte, um im schlimmsten Fall nicht zu viel zu verlieren. Dann ging es immer wieder hin und her mit partiellen Regenschauern und am Ende war für Alexander alles was vor dem Regen geholt wurde das größere und bessere Material. Das Große Gewächs aus dem Herrenberg wächst im nicht flurbereinigten Teil, hier stehen 55 bis 60 Jahre alte Reben. Dunkles Schiefergestein, recht fein verwittert mit Steinen und leichtem Lehmeinfluss. Der nach den alten Reben grandiosesten Wein bei Stodden. Die Vergärung geschieht zu 100 Prozent im Stahl, immer komplett entrappt mit einer Kaltmazeration vorweg. Bei Stodden wird grundsätzlich spontan angegoren. Die Nase ist würzig, deutlich dunkler als der Sonnenberg, hier haben wir den klaren Abdruck des Schiefers schon in der Nase. Die Nase ist weniger würzig als in 2019 oder zumindest steht etwas mehr Frucht entgegen aktuell, der Wein ist nicht reduktiv, auch wenn er sich rauchig-steinig wie immer zeigt. Die Frucht ist duftig, aromatisch und einnehmend, aber der Herrenberg ist natürlich immer auch ein Mineralmonster. Viel Rauch in der Nase, auch Goudron und schwarzer und roter Tee, Cassis mit Schlehe und Grapefruitschale. Dann kommt der Mund und man wird fast weggeblasen von dieser klirrenden Mineralität. Der Herrenberg hat diese wahnsinnige Energie, diese ungezügelte Strahlkraft und Mineralpower. In 2022 kommt ein süßer, herrlich frischer Fruchtkern aus Blutorange, Weinbergspfirsich, Brombeerstrauch und etwas zerdrückter Himbeere dazu. Was für eine köstliche, einnehmende, würzig-warme Frucht. Das Alter der Stöcke macht sich hier deutlich bemerkbar, der Wein ist so unglaublich fein und seidig, hat eine wahnsinnig feinkörnige, total reife Struktur. Die Balance ist nahezu perfekt, alles greift ineinander. Der Wein hört nicht mehr auf hintenraus, schiebt immer wieder nach in warmem Stein und würziger Brombeerfrucht mit Grapefruitfrische. Ein Hammerteil, groß und dennoch eine Delikatesse sondergleichen. Wow!