Nach einem relativ warmen Sommer mit guten Niederschlägen sah alles nach einem relativ entspannten Jahr aus. Dann ging es aber sehr früh in die Lese, währenddessen ein größerer Regen einsetzte. Dann musste es richtig schnell gehen und auch viel ausgelesen werden. Die Erträge wurden dadurch dezimiert, am Ende war es mengenmäßig kein so großes Jahr wie gedacht. Das Ergebnis ist ein köstlich intensiver, aromatischer Jahrgang mit satter Power mit einer Tendenz zu Jahren wie 2023 oder 2015, weil auch die Säurefrische erstaunlich hoch geblieben ist, trotz satter Mostgewichte. Das Bernkasteler Johannisbrünnchen lag eigentlich direkt ans Gutshaus von Loosen angrenzend, das Weingut hieß ja ursprünglich mal Johannishof. Nach der Flurbereinigung wurde das Brünnchen etwas nach oben verlegt und direkt am Haus liegt jetzt nur noch der Bernkasteler Lay. Wir sind hier in etwa auf 100 Metern Höhe über der Mosel, komplett auf Blauschiefer, also kühler Boden, gut wasserversorgt, eigentlich kaum Trockenstress, in kühlen Jahren gibt es hier auch mal vermehrt Botrytis, aber die warmen, mediterraneren Jahre sind ziemlich perfekt für das Johannisbrünnchen. Top-gesundes, sehr reifes Lesegut absolut botrytisfrei gelesen bei den GGs. Sanftes Abpressen, dann folgt die Spontangärung. Natürliche Klärung durch Sedimentation, aber nicht zu blank, schon mit etwas Dreck und Speck. Dann direkt in die großen, alten Holzfässer mit langem Hefekontakt. Ernie Loosen füllt extrem spät, stellt auch zur Premiere in Wiesbaden Ende August immer nur Fassproben an. Die Weine werden erst im Herbst 2026 gefüllt. Es ist immer ein straffer, schlanker und eleganter Ausdruck der Mosel. Das Johannisbrünnchen ist eine kühle Lage, die sich straff und steinig zeigt, aber auch eine sehr aromatische Frucht hat. Ich bin überrascht, wie feingliedrig und kühl das Johannisbrünnchen wirkt, kühle Weißfruchtigkeit, elegant, duftet nach frischen Weintrauben, viel Pfefferminze. Im Mund ist das wie in einen jungen, knackigen Granny Smith beißen, dann ein bisschen schwarze Johannisbeere, Gletschereis. Schöner Druck in der Mitte, kraftvoller und satter als 2024, aber sooo verspielt und kühl aus dem Johannisbrünnchen. In warmen Jahren ist das immer ein grandioses GG, weil es eben diese tänzelnde, moselanische Eleganz behält.