Chapoutier setzt der Ikonografie der großen Kräuterliköre ein denkmalwürdiges neues Kapitel hinzu. Mit dem Discretia wagt sich Michel Chapoutier direkt in das Terroir der mythologischen Chartreuse Verte, übersetzt diese Tradition aber mit der kompromisslosen Präzision der nördlichen Rhône. Was für eine Ansage! Schon beim Eingießen zeigt sich eine leuchtend smaragdgrün In der Nase explodiert ein gigantischer Kräutergarten, bei dem man sofort an die legendäre, ätherische Wucht einer großen Chartreuse denkt, die hier jedoch von einer beispiellosen, vielschichtigen Pfeffrigkeit durchdrungen wird. Eine 'Chapoutreuse'? Grüner Sichuan-Pfeffer und ätherischer Kubeben-Pfeffer treffen auf frischen Estragon, Pfefferminze, Zitronenmelisse und kühles Tannenharz. Dahinter baut sich eine tiefgründige, pimentartige dunkle Würze von Tellicherry-Pfeffer auf, verwoben mit Anis, Angelikawurzel und feinsten Nuancen von weißem Pfeffer. Am Gaumen schlägt diese „Chapoutreuse“ dann voll ein: eine symphonische Wucht aus Kräuterextrakten und hochkomplexer Schärfe. Das ist extrem konzentriert, aber mit einer solch genialen Säurestruktur unterlegt, dass der Alkohol perfekt eingebunden bleibt. Die pfeffrige Dynamik tänzelt zwischen kühlendem Minz-Kick und einer feurigen, pikanten Nelken-Pfeffer-Länge. Wo die grüne Chartreuse oft sakral und mystisch wirkt, gibt Chapoutier seinem Elixier einen saftigen, fast vinophilen Zug voller Energie und Rasse. Der Abgang ist unendlich lang, vibrierend, extrem kräutrig-pfeffrig und hinterlässt eine atemberaubende, edelbittere Frische, die den Speichelfluss im Sekundentakt anregt. Wow! Das ist berauschend schön!