Lobenberg: Wenn Montrose einen Weißwein machen würde (und das wollten sie gerne als Konkurrenz zum weißen Cos d'Estournel, aber sie waren nicht ganz mutig also erstmal unter ihrem eigenen Nachbarweingut Tronquoy) – das hier wäre er. Der Tronquoy Blanc ist gewissermaßen der weiße Montrose, nur eben vinifiziert auf dem Schwesterweingut, aber mit gleichem Qualitätsanspruch. Saint-Estèphe ist erstmal eine Appellation, die man sonst fast nur mit Rotwein verbindet, allerdings haben hier in der Vergangenheit auch andere große Namen wie Cos d’Estournel sehr gute Weiße gekeltert. Umso bemerkenswerter ist, was bei Tronquoy auf gerade einmal 1,8 Hektar entsteht. Seit 2011 wächst hier der rare Weißwein in einer kleinen Parzelle im oberen Teil des Plateaus. Im Boden eine acht Meter tiefe Schicht aus Kies und Ton. Rund zwei Drittel Sémillon und ein Drittel Sauvignon Gris. Selektive Handlese, vergoren im Barrique mit anschließend neun Monaten Reife auf der Feinhefe. Die Nase ist sofort präsent und komplex: weiße Blüten, reife Birne, Pfirsich, Aprikose, Mandarine, dazu feine Noten von Mandel, Vanille und nassem Stein. Mit Luft öffnet sich eine vielschichtige Aromatik aus Zitruszeste, Lemongrass, Litschi und einem Anflug Kräuterwürze. Ein Duftbild, das sich irgendwo zwischen Graves, Loire und Burgund bewegt – nur eben mit dieser feinen Médoc-Struktur im Rückgrat. Am Gaumen vereinen sich Sémillon-Schmelz und Sauvignon-Gris-Frische zu perfekter Balance. Saftig, rund, mit druckvoller Frucht und einer kristallklaren, kalkig-salzigen Mineralität. Noten von Zitrus, Aprikose und reifem Steinobst, begleitet von subtiler Holzstruktur und feiner Hefecremigkeit. Dabei durchzieht ihn diese typische Kühle der Appellation – präzise, gradlinig, mit vibrierender Säure und feiner Spannung. Im Nachhall erstaunlich lang, elegant und auch seidig, getragen von Lemoncurd, Mandarine und feinen Kräuternoten. Alles wirkt ausbalanciert, puristisch, wie aus einem Guss. Tronquoy Blanc ist, gerade aus diesem Hammerjahr 2019, ein echter Tipp – ein Weißwein mit der DNA von Montrose, auf Augenhöhe mit vielen sehr guten Graves, nur eben doch total eigenständig. Trotz des nicht ganz niedrigen Preises ein verblüffend großer Wert.