Lobenberg: Der »Linse« stammt von den ältesten Chardonnay-Reben der Seckingers. Ein über 40 Jahre alter Weinberg in der Lage Ruppertsberger Linsenbusch, direkt unterhalb des Gaisböhl gelegen, bestockt mit verschiedener Burgundergenetik. Die Lage ist geprägt von Buntsandstein, Kalkmergel und Löss im Unterboden. Ausbau im gebrauchten Tonneaux, Dritt- und Viertbelegung beim 2022er. Wenn man die beiden großen Chardonnays von Seckinger, Kapellenberg und Linse nebeneinander probiert, ist der Kapellenberg der noch etwas puristischere, straffe und kargere Typ, während Linse sich etwas offener im Glas zeigt. Feine, gelbwürzige Frucht von reifer Marille, etwas Quitte, Birne und gelbem Apfel. Durchaus oxidative Anklänge, die sich mit leicht rauchiger Reduktion zu einer ultraspannenden Dynamik in der Nase entwickeln. Warmer, regennasser Kalkstein. Reife Zitrusfrucht drückt sich auch durch, dazu feine Kräuter. Am Gaumen brilliert die unfassbar klare, kalkige Mineralität. Salz, Salz und nochmals Salz drückt und fordert. Feine Tanninstruktur gibt den entsprechenden Rahmen. Wieder reife Quitte und gelber Apfel, saftige Nektarine, Salbei, etwas herbe Noten von Zitronenabrieb. Tolles Spiel aus Saft, Bitterkeit und enorm viel mineralischer Spannung. Großes Chardonnay-Kino, eher mehr Jura als Burgund stilistisch. Geniale Länge und Komplexität. Wieder sehr feiner und so schön eigenständiger Stoff! 96-97/100