Lobenberg: 2022 war extrem heiß und trocken, nahezu kein Regen über den Sommer. Im Herbst kam ein großer Regenschauer, der die Reben dann aus der Trockenstarre herausgeholt hat. Danach musste nochmal eine Woche gewartet werden, dass die Trauben wieder abtrocknen. Im Grunde gab es sehr konzentriertes Traubenmaterial aus der Trockenperiode und dann ein etwas aromatischeres aus späterer Lese nach dem Regen. Das ist eine durchaus interessante Geschichte und erklärt die sehr hohe Komplexität der 2022er. Nach dem sehr strammen, kühlen 2021 ist 2022 ein Schwung zurück zum Hedonismus, zur Reichhaltigkeit von 2020 und 2019 mit mehr Fruchtfülle und sattem Druck im Kern. Der Silberberg hat in 2022 eine feine reduktive Spannung, sehr pfeffrig, dunkelfruchtig, schokoladig, erinnert mich fast ein bisschen an die Nordrhône in dieser dunkelwürzigen Art. Nur das absolute Topmaterial konnte in die GGs einfließen. Harte händische Selektion im Weinberg und im provisorischen Weingut. In 2022 gibt es Rappenanteile von 25 bis 30 Prozent in der Vergärung. Die GG-Lage Silberberg schließt direkt an die GG-Lage Kräuterberg an. Ein langgezogener, überwiegend terrassierte Hang oberhalb von Ahrweiler, der sich in Richtung Rhein zieht. 100 Prozent Steillage mit reiner Südausrichtung auf 110 bis 180 Metern Höhe. Hier steht ein Gemisch aus diversen alten Klonen. Der Silberberg wirkt verschlossener und steiniger als der aromatische Kirsch-Hammer Kräuterberg. Zarte dunkle Beeren, Cassis und Moos, dunkles Gestein und kühler Rauch. Die Kirsche ist sehr dunkel schattiert und hält sich aromatisch noch etwas zurück. Im Mund aber ist jede Zurückhaltung vergessen. Sehr viel Energie und Saft, Brombeere, Blaubeere, intensiv und mit rasantem Trinkfluss. Man muss fast aufpassen den Wein nicht runterzuschlucken in der Verkostung, weil er so einen seidigen Fluss hat. Erinnert mich ein wenig an 2019 in dieser reifen Pikanz, hat aber noch einen Touch 2018er Schoko-Delikatesse on top. Gefällt mir sehr gut. 95-97/100