Lobenberg: Auf Clos du Caillou wird biodynamisch gearbeitet. La Réserve besteht 2021 aus 60 Prozent uralter Grenache und 40 Prozent Mourvèdre, alles komplett entrappt. Dieser Plot der ältesten Reben wird auf Caillou als letztes geerntet, Grenache und Mourvèdre werden für diesen Wein zusammen vergoren. Die Grenache wächst auf sandigen Böden, die für elegante Weine stehen. Natürliche Hefen. Ausbau der Mourvèdre in einem neuen Stockinger-Halbstück und in kleinen gebrauchten Barriques. Die Grenache wird in gebrauchten 600-Liter-Fässern ausgebaut. Der Einfluss von neuem Holz ist also im Réserve klar größer als im Quartz. Du Cuvée Réserve ist immer die würzigere, dunklere, druckvollere im Vergleich zu Les Quartz, der häufig Finesse pur ist. La Réserve erinnert mit dem hohen Anteil Mourvèdre an Beaucastel. Von Januar bis August nahezu kein Regen, ein irres Jahr. Mitte August kam dann ein Hagelsturm, der auch den wichtigen Regen gebracht hat, aber natürlich auch Schäden verursacht. Bei Clos du Caillou waren es aber nur 20 Prozent, nicht wie bei z.B. Vieux Telegraph, die fast 100 Prozent verloren haben. Die Befürchtungen waren, dass es wie 2003 wird, aber das ist absolut nicht der Fall. Die Weine sind sehr gut balanciert, fruchtstark klar, aber wunderbar frisch und saftig. Ausbau in Demi-muid-Fässern von 600 Litern, wenige davon sind jährlich neu, also ein ganz kleiner Anteil Neuholz ist hier immer mit drin. Dieser Réserve von Caillou ist in etwa auf dem Level von Clos des Papes und hat durchaus Ähnlichkeiten in dieser extrem würzigen, dichten Fruchtwolke, die üppig und zugleich total fein ist. Nicht süß, aber schiebend, reich und dicht. Ein Naturwein, ein an Pontet-Canet aus Pauillac erinnernder Duft mit diesem unglaublich dichten, reichen Schub. Er hat etwas Blutiges in 2022, obwohl hier ja kein Syrah drin ist. Erinnert auch an Eisen. In den superheißen Jahren ist die Mourvèdre die Rettung, denn sie behält die kühle Struktur und zieht das Ganze schön zusammen. Konzentriert und megastrukturiert zwar, aber sooo fein. Die Lage ist Guigasse und das angrenzende Pignan, also Sandterroir pur, benachbart Rayas. Und diese Eleganz im Kern, bleibt auch in so einem extremen Jahr durchaus ganz klar erkennbar. Wir haben diese wahnsinnige Mineralität, eine Pikanz aus dem Salz, die bei weitem über jeden anderen Châteauneuf hier in der Domaine hinausgeht. 2022 ist schon eine sehr faszinierende Mischung aus kühler, eisenartiger Graphit-Mineralität, superkonzentrierter, wollüstig-reicher schwarzer Beerenfrucht und gewaltig viel Tannin, das aber in dieser Feinheit und Fruchtstärke gar nicht so sehr zu spüren ist aktuell. Die Balance ist extraterrestrisch. Hochkonzentrierte Feinheit in ihrer animierendsten Form. Das vermählt sich im Mund zu einem grandiosen Genuss auf einem dichten, reichen Samtteppich. Noch zwei Minuten später steht der Wein im Mund, die Papillen sind belegt. Alles vibriert vor Trinkfreude! 2022 ist eine der beeindruckendsten La Reserve ever, spielt ganz oben mit in seiner köstlichen Üppigkeit mit großer Eleganz. Wir sind mehr auf der Frucht als das strukturierte 2019, bei gleich viel Tannin, ein bisschen ähnelt es 2020, ist aber noch intensiver, noch dramatischer und vor allem noch hedonistischer in seinem wahnsinnigen Schmelz und der kristallinen Mineralität darunter. 100/100