Eglise Clinet: La Petite Eglise (2.Wein) 2024

La Petite Eglise (2.Wein) 2024

Holzkiste

Zum Winzer

Merlot 90%, Cabernet Franc 10%
rot, trocken
13,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2043
Verpackt in: 6er OHK flach
Lobenberg: 95+/100
Suckling: 94–95/100
Vinum: 95/100
Weinwisser: 93–95/100
Frankreich, Bordeaux, Pomerol
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
La Petite Eglise (2.Wein) 2024

95+
/100

Zu 70% im neuen Holz ausgebaut. Dieser Zweitwein wird nur in extrem geringer Menge von etwa 5000 Flaschen produziert. Die Cuvée ist identisch zum Grand Vin. Erstaunlich satte, reife Nase von schwarzer Kirsche mit Brombeere. Wirklich erstaunlich reich und satt, wunderschön samtig wirkend. Milchschokolade, etwas helle Lakritze, Holunder. Aber die dunkle, fast schwarze Kirsche ist einfach so dominant, so schick, so fein. Hinzu kommen kühle Kalksteinaromatik. Was für ein Schub und für ein perfekt balanciertes Parfüm. Im Mund ist dieser grandiose Zweitwein dem Grand Vin auch so unfassbar ähnlich! Feiner Schliff mit konzentrierter Kirsche. Dazu Brombeere und Schlehe. Samtige, feinkörnige Tanninstruktur mit salziger Kalksteinunterlage. Brillante Mineralität. So harmonisch und balanciert. Um wahre Größe zu erreichen – die der Grand Vin übrigens im Übermaß hat – fehlt ihm im Finale der letzte mineralische Druck, die letzte Tiefe, aber für einen Zweitwein ist das eine Offenbarung. Er bleibt einer der schicksten Pomerol dieses Jahrgangs mit fast sensationell reifem, sexy Trinkvergnügen. Eine geniale kühle Schönheit in Finesse. Einfach nur Klasse!

Jahrgangsbericht

2024 brachte ganz entgegen dem Klimawandel enorme Wassermengen im Frühjahr und auch im Herbst, keinerlei Trockenstress wie in den langen Jahren davor. Wegen extremen Mehltaubefalls, hoher Verrieselung in der Kühle der Blüte (Coulure und Millerandage) und wegen ungewöhnlich hoher und strenger Selektion mit grüner Lese im August nach der Verfärbung (in den 80iger und 90iger Jahren wäre 2024 noch ein Desaster geworden) gegen Verdünnung, Fäulnis und Botrytis zeigt 2024 einen ungewöhnlich niedrigen Ertrag, gesunde und fast reife Trauben mit oft minus 30%, manchmal gar 50% der Mengen des Standards. Und der hohe Mehltaubefall und die Coulure (Mehltau verringert die Mengen durch vertrocknete Trauben, die Qualität der nicht befallenen Trauben wird nicht beeinträchtigt) betrifft i.d.R. mehr die anfälligere Merlot, der Cabernet-Anteil (am linken Ufer Cabernet Sauvignon und am rechten Ufer Cabernet Franc) ist dramatisch höher als im Durchschnitt. Die Weine haben generell niedrige pH-Werte, also hohe Säure, dazu niedrige Alkoholwerte von 12 bis 13%. Die satten Tannine sind extrem fein und poliert und seidig unaggressiv und im Gerbstoff mehr als moderat, was zu einem charmant samtig seidigem Trinkfluss führt. Zusammen mit einer hohen saftigen Frucht-Aromatik und erstaunlich intensiver Farbe sind diese leichteren, aromatisch frischen Weine sofort präsent und mit total charmanter Trinkigkeit gesegnet. Da sie wegen der strengen Selektion letztlich reif genug gelesen wurden, ist 2024 ein freudenstiftender, verspielt leichter und leckerer, aromatischer Jahrgang für frühen Genuss. Allerdings gibt es von Château zu Château deutliche, ja oft dramatische Unterschiede, da muss man jeden Wein sorgfältig verkosten. Gegenüber dem ebenfalls sehr aromenstarken, noch farbintensiverem Jahrgang 2023 fehlt es 2024 zwar keineswegs an Trinkfreude und Trinkfluss, ganz im Gegenteil, aber in der absoluten Dichte bringt der opulentere, erotisch reifere Jahrgang 2023 einen höheren Wucht-und Umarmungs-Faktor mit. 2023 ist ein großes, früh trinkbares, erotisch opulentes Aromen- und Genusswunder, verblüffend in der charmanten Ausdrucksstärke, in seiner wollüstigen Ausprägung somit ein Unikat und »best ever«. 2024 zeigt dagegen deutlich verspieltere und frischere, sehr schicke und filigran elegante Weine für freudvolles, sexy Easy-Drinking. Everybodys Darling, das holt jeden Anfänger aufs Schönste ab! Volnay und Loire als schicker Bordeaux, so verträumt und fein und filigran leicht. 2024 ist weit weniger klassisch als das im Tannin rauere 2021, dafür aber dramatisch schicker und sexy polierter und filigran finessenreicher. 2024 könnte seinen Platz im Markt eher früh trinkfertig und relativ preiswert finden, das ist nicht in erster Linie ein »en Primeur« Jahrgang zum langen Einkellern, weder bei den Einstiegsweinen noch im oberen Preissegment. Aber es gibt zum Teil dramatisch reduzierte Mengen bei zum Teil dramatisch reduzierten Preisen. Und wenn dann der Wein noch sehr gut ist, muss man ihn eben doch subskribieren, sonst kann man leer ausgehen. Wer allerdings nur auf lange Einlagerung und Sammlerweine spekuliert kommt um den besten Jahrgang aller Zeiten, 2022, nicht herum. Ein gegenüber dem schon günstigen 2023 nochmal klar, ja dramatisch reduzierter Preis der 2024er Hochgewächse kann neben teilweise doch tollen Qualitäten doch zu Recht zum Primeur-Kauf verlocken. So passt 2024, nach so vielen ab 2016 bis 2023 überragenden voluminösen und kraftvollen Jahrgängen, als seidiges und trinkfreudiges Wunderwerk perfekt in das aktuelle Marktumfeld. Als preiswert schicker und elegant filigraner, aromatischer Gegenpol. „Just have fun“! Last not least: Wie schon so oft scheint auch der kühle und feuchte 2024er Jahrgang ein fast genialer Weißweinjahrgang zu sein, trocken wie auch süß! Die Analogie zu 2021 drängt sich auf, Winzer sprechen von extrem klar gezeichneten und definierten Weinen.

94–95
/100

Suckling über: La Petite Eglise (2.Wein)

Medium-bodied with caressing, cashmere-textured tannins that are very pretty. Hints of chocolate and spices. The richness comes through beautifully in the pure fruit finish.,,

95
/100

Vinum über: La Petite Eglise (2.Wein)

Duftig, floral, Flieder, ein Hauch von Kirschen, Holunder; am Gaumen zugänglich, weich, feingliedrig, delikate Frucht, präzises Tannin, ausgewogen, verspielt, mit eindrücklicher Länge und grosser Eleganz. Ein Hit. vWine & Vinum

93–95
/100

Weinwisser über: La Petite Eglise (2.Wein)

Komplexes Bouquet, Brombeere, Schattenmorellensaft, Orangen und Veilchen. Am vielschichtigen Gaumen mit engmaschigem Tanninkorsett, trainiertem Körper. Im konzentrierten, langen Finale Heidelbeere, dunkle Mineralik und mehlige Adstringenz. Gehört zu den besten Zweitweinen dieses Jahrgangs!

Mein Winzer

Eglise Clinet

Hinter der Kirche von Pomerol auf tiefgründigem Kiesboden mit Beimischungen von Sand, Lehm und Eisen liegen die sechs Hektar Weinberg von Eglise Clinet. Dieser Weinberg ist einer der wenigen, die nach dem schweren Frost von 1956 im Pomerol nicht neu bestockt werden mußte und verfügt deshalb über...

La Petite Eglise (2.Wein) 2024