Katharina Wechsler: Spätburgunder Westhofener Kalk Ortswein 2022

Katharina Wechsler: Spätburgunder Westhofener Kalk Ortswein 2022

BIO

Zum Winzer

Pinot Noir 100%
rot, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2025–2030
saftig
fruchtbetont
seidig & aromatisch
Lobenberg: 94+/100
Suckling: 93/100
Parker: 92/100
Deutschland, Rheinhessen
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Westhofener Kalk Ortswein 2022

94+
/100

Die Reben des Pinot Noir stehen in einer der besten Lagen von Wechsler: Benn in Westhofen. Die Benn steht auf Lösslehmboden und Kalkstein. Seit vielen, vielen Jahren erzeugt der Betrieb einen ausgesprochen spannenden Spätburgunder, der seit 2020 in die Naturweinlinie von Katharina aufgerückt ist. Ausbau für 14 Monate in gebrauchten Barriques, minimalst geschwefelt, unfiltriert. Dementsprechend wird er jetzt bewusst als Landwein deklariert. Diese naturweinige Nummer sollte man nicht überschätzen, denn es ist immer noch ein sehr fokussierter, ernsthafter Spätburgunder, der nicht zu dirty daherkommt, aber doch sehr eigen ist. In manchen Jahren bekommt er etwas Schwefel, in manchen gar nicht, je nachdem wie es das Jahr braucht. Rund 30 Prozent Ganztrauben in der Gärung, Ausbau für 12 Monate in gebrauchten Barriques. Der Pinot Noir von Wechsler schlägt eine Brücke zwischen Naturwein und der Seriösität eines rheinhessischen Spätburgunders. Wir haben einerseits die satte, unverblümte und ungeschminkte Frucht, die mit Vollgas aus dem Glas pumpt, viel dunkle Beeren, vor allem Blaubeere, Holunderbeere, Cassis, Schwarzkirsche, aber eben auch schwarzen Pfeffer und Graphit. Er ist so trinkig und fein, dass man ihn kaum ausspucken mag bei der Probe. Ein bisschen Beaujolais im Stil, einfach köstlich fruchtig. Was ihn dann wirklich super macht, ist, dass er eben nicht in die Belanglosigkeit und das einfache Glou-glou abdriftet, sondern wirklich Anspruch hat. Ich bin sicher, dieser Stoff reift gut aus 2022. Steht satt am Gaumen, steinig und dicht, die Frucht hat eine spürbare Substanz. Da ist viel Wein auf der Zunge. Ein schicker Pinot mit Anspruch, der nicht unwesentlich an Preisingers alpine Leichtweine vom Neusiedlersee erinnert, aber aus diesem Top-Jahr so leicht gar nicht mal ist.

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

93
/100

Suckling über: Spätburgunder Westhofener Kalk Ortswein

This youthful German pinot noir is intensely savory, with vibrant black cherry and wild blackberry character, plus a touch of forest floor character. Medium-bodied with fine, healthy tannins that make this a bit drier than the nose suggests. Cool and delicate finish. Mostly from the Benn monopole site. From organically grown grapes. Matured in well-used barrique casks. Vegan. Drink or hold.,

92
/100

Parker über: Spätburgunder Westhofener Kalk Ortswein

Sourced in the Westofen Benn and fermented with 30% whole clusters, the 2022 Spätburgunder Kalk is deep, pure and spicy on the fresh and chalky nose. Full-bodied, intense and spicy on the palate, this is a crunchy and aromatic Pinot with fleshy fruit, fine tannins and healthy phenolic grip. Tasted in Lech/Arlberg in December 2024.,,

Mein Winzer

Katharina Wechsler

Erst 2010 beschloss Katharina Wechsler ihre Karriere in der Berliner Medienwelt aufzugeben. Zurück zur Scholle auf den elterlichen Hof, in die Heimat Westhofen. Und alles selbst machen, malochen sieben Tage die Woche, nur der Vater hilft mit.

Spätburgunder Westhofener Kalk Ortswein 2022