Lobenberg: Das Bernkasteler Johannisbrünnchen lag eigentlich direkt ans Gutshaus von Loosen angrenzend, das Weingut hieß ja ursprünglich mal Johannishof. Nach der Flurbereinigung wurde das Brünnchen etwas nach oben verlegt und direkt am Haus liegt jetzt nur noch der Bernkasteler Lay. Wir sind hier in etwa auf 100 Metern Höhe über der Mosel, komplett auf Blauschiefer, also kühler Boden, gut wasserversorgt, eigentlich kaum Trockenstress, in kühlen Jahren gibt es hier auch mal vermehrt Botrytis, aber die warmen, mediterranen Jahre sind ziemlich perfekt für das Johannisbrünnchen. Natürliche Klärung durch Sedimentation, aber nicht zu blank, schon mit etwas Dreck und Speck. Dann direkt in die großen, alten Holzfässer zur Spontangärung. Es geht in der Nase ein bisschen in Richtung des Graacher Himmelreichs mit seiner minzigen Frische und der kühlen Graphitwürze. Auch weiße Blüten, viel Zitrusfrucht, aber nichts Grünes oder Stechendes, sondern eher aus der zitronengrasig-kräuterige Ecke kommend. Der Mund hat viel Litschi und etwas Sternfrucht, ist hell und glockenklar in seinem Ausdruck. Herbsaftig, kühl und leichtfüßig wirkend, das Johannisbrünnchen hat mit den wärmenden Hände im Rücken eine wahnsinnige Eleganz und einen Feinschliff, der einfach Freude macht. Der Wein tanzt auf der Zunge mit grandioser rieslingtypischer Finesse, ganz zart, elegant und geschliffen ohne Ende. Dennoch bleibt er in dieser Einen besseren Deal kann man kaum machen im GG-Bereich. 95-97/100