Die Assemblage besteht aus 95 Prozent Cabernet Franc und fünf Prozent Merlot. 35 Hektolitern pro Hektar Ertrag. Etwas weniger Merlot im Blend wegen Mehltau-Befall. Die Lese fand bis Mitte Oktober statt. Der Alkoholgehalt liegt bei 13 Volumenprozent. Sehr blumige Nase. Diese Floralität ist der erste Angang. Schon berauschend in seiner Duftigkeit! Dann kommen Waldhimbeere, helle Lakritze – sehr schick und mit ganz feinem Schiff. Etwas Holunder dahinter. Das liegt daran, dass Cabernet Franc niemals so überreif wird wie eine Merlot. Es gibt immer ein paar vegetale Aromen-Einflüsse, zum Beispiel den Holunder. Im Mund toller Himbeer-Grip mit viel Mineralität, Salz und Gestein. Gleichzeitig hohe Eleganz. Rote Kirsche, ein bisschen Sauerkirsche und diese typmische leichte Vegetabilität von der Cabernet Franc, wobei man an Rappen denken könnte, aber die Weine sind zu 100 Prozent entrappt. Langes, salziges Himbeer-Finale. Ein sehr schicker, geschliffener und balancierter Cabernet Franc. Blind niemals in Bordeaux verortet, sondern immer an der Loire. Der Wein ist klar schlanker und finessenreicher als der voluminösere 2023er. Auch sind die Tannine seidiger und die Säure etwas höher. Man muss schon sehen, dass 2024 der weitaus schlankere, poliertere Jahrgang ist als der hocharomatische, opulent-erotische 2023er. Aber da hat jeder seine Vorlieben. Ich fand die Harmonie in der größeren Opulenz und Aromatik des 2023er letztlich gelungener. Der 2024 in seiner geradeauslaufenden Fokussierung wird in dieser Eleganz auch seine Fans finden auch wenn der aus gleichem Haus stammende Clos Saint Julien 2024 weit voraus liegt. *** Petit Gravet Ainé liegt direkt neben Château Canon la Gaffelière von Graf Neipperg. Also der gleiche Untergrund. Sand mit Kies und kleinen Einsprengseln von Lehm, auch Kalkstein. Biodynamisch zertifiziert. Die Weinberge sind mit über 7.000 Stöcken pro Hektar bestockt, es gibt weniger als 7.000 Flaschen. Über 70 Jahre alte Reben auf sandige Böden mit Kies und Lehm. Es gibt nur 1,7 Hektar. Cathérine Papon-Nouvel sortiert seit 2017 mit der von Château Ausone zuerst praktizierten Zuckerwasser-Sortierung. Nach kompletter Entrappung wird noch einmal nachsortiert, nur total cleane Beeren kommen in diese Lösung. Die Zuckerwasser-Konzentration entspricht dabei exakt dem des Safts vollreifer, gesunder Beeren. Das Ergebnis: In diesem Wasserbad sacken nur die reifen Beeren herunter, die man optisch von den etwas unreiferen nicht unterscheiden kann. Die unreifen Beeren bleiben auf der Oberfläche schwimmen und können abgeschöpft werden. Anschließend laufen die gesunden Beeren natürlich vor der Vergärung durch Klarwasser. Erst nach der Trocknung werden sie in die Vergärung gegeben. Jedes Jahr kann man so aufs Neue entscheiden, welchen Reifegrad man haben möchte, je nach Zucker-Konzentration von Wasser und Beeren. Das Ergebnis ist ein 100 Prozent perfekt Auslese, besser als jeder Rüttel- oder Sortiertisch. Diese Maschinen wurden inzwischen dramatisch verbessert, es gibt sie mit permanentem Wasseraustausch, mit Kühlung und vielen weiteren Schnickschnacks. Cathérine Papon-Nouvel hat noch die erste Maschine, die Alain Vauthier zuerst bei Ausone eingesetzt hat und die sie von ihm bekommen hat. Der Wein wird spontan im Stahl vergoren und in zu 50 Prozent in neuem Holz ausgebaut, zu 50 Prozent in gebrauchtem. Die Besitzerin Cathérine Papon-Nouvel gilt als eine der Großmeisterinnen der Cabernet Franc, die ja inzwischen immer mehr Einfluss gewinnt in Saint-Émilion, egal ob es Château Ausone ist, Château Cheval Blanc oder die Großmeister Château Jean Faure oder Château Coutet. Cathérine gehört auf jeden Fall dazu. Im Zuge der größeren Hinwendung zur Finesse ist die Cabernet Franc natürlich perfekt und speziell bei Biodynamikern und biologisch arbeitenden Betrieben sehr beliebt. Auch eignet sie sich hervorragend, um einen Teil unentrappt in die Vergärung zu geben., ,