Dunkles Rubinrot mit violetten Reflexen. Saint Estephe und das nördliche Medoc haben es 24 weitaus besser getroffen als der Rest des Medoc, weniger Wasser, einfach weniger verdünnt. Duftige Nase mit viel roten und schwarzen Beere, aber nicht drückend, sondern eher fein. Etwas Holunder und Lakritze darunter, auch Nutella. Fein verwoben. Im Mund schöne Vibration mit roter Waldhimbeere, im Nachhall schöne Salzkaramellspur. Gute Länge! Ein Charmeur mit Charakter. Feiner, sympathischer, seidiger Saint-Estèphe mit guter Pikanz und anständigem Körper und erotischer Opulenz. Das macht Spaß! *** Château Le Boscq gehört zum Imperium der Thienot Champagner-Familie, zu dem auch Belgrave in Haut-Medoc und La Garde in Pessac-Léognan gehören. Auch einer der größten Négociant hier, CVBG, gehört zu diesem Imperium. Le Boscq ist spätestens seit 2009 und 2010 im Bereich der Verfolger der Spitze angekommen, also oberes Mittelfeld. Natürlich sind Montrose, Cos d´Estournel und Calon Ségur in ihrer Spitzenstellung nicht gefährdet. Aber dann im Reigen der Zweiten von Lafon-Rochet bis Phélan Ségur, bis Meyney und eben Le Boscq (gegebenfalls in der weiteren Verfolgung Lilian Ladouys), ist es ein echter Kampf und mittlerweile ein Gerangel überragender Domaines in dieser Appellation. Gerade in den warmen Jahren, die es ja durch den Klimawandel immer häufiger gibt, ist die hohe Reife gegeben auf einem grundsätzlich eher kühleren Terroir. Das ist dann schon ziemlich perfekt.