50 Prozent Cabernet Franc und 50 Prozent Merlot. Uralte und zum Teil wurzelechte Reben der uralten Genetik, wie sie es nur noch auf Coutet gibt. Extrem tiefes rot mit violettem Rand. Der Wein hat eine unglaubliche, ja dramatische Dichte in der Nase. Sie zieht einen ins Glas! Schlehe, Maulbeere, extrem dunkle Waldhimbeere. Schon die Nase vibriert, so pikant! Säure, Dichte, satte feine Tannine, alles opulent, aber niemals rau. Der Wein hat so viel Eisen und Fleisch im Mund, so hochintensiv! Und das in 2024 – ich hätte es überhaupt nicht erwartet. Adrian sagt es ist sein bester Jahrgang ever! Es gab in diesen hochgesunden Reben keinen Mehltau, es gab Mini-Erträge und keine Verdünnung. Wie kann das in 2024 gelingen?! Was für ein Drama dann im Finish, alle schiebt in wahnsinniger Eleganz. Die Tannine sind massiv, aber trotzdem total samtig, seidig und dicht. Nach zwei Minuten ist der Mund immer noch von allem belegt. Der 2024er ist genauso grandios wie der 2023er, den ich vor drei Tagen probiert habe. Ich habe 2024 einen solchen Wein nicht erwartet. *** Cuvée Demoiselles kommt aus zwei kleinen Plots aus den höchsten Lagen von Coutet, reiner Kalksteinfelsen ganz oben auf dem Plateau, direkt neben Beauséjour-Duffau. Es sind die ältesten Reben des Hauses, über 80 Jahre, zum Teil über 100 Jahre alt, Cabernet Franc und Merlot, aber nur die spezielle, uralte Form der Merlot mit winzigen Beeren und rotem Saft. Und so gehen sie auch in den Wein. Es werden lediglich 2.000 Flaschen erzeugt. Der Name Demoiselles kommt daher, dass der Urgroßvater auf dem Weingut verblieben war, während der Großvater mit den Franzosen in den Indochinakrieg zog. Er bleib dort 20 Jahre. In der Zwischenzeit hielt der Urgroßvater mit den drei Schwestern von Adriens und Mathieus Großvater die Stellung. Die drei Schwestern gaben sich ein Gelübde, niemals zu heiraten und Kinder zu kriegen, um das Weingut nicht zu gefährden. Außerdem haben sie nichts verkauft – es blieb also immer bei den ganz ursprünglichen Rebbeständen und bei der biologischen Bewirtschaftung. So kam es 2014 zu dieser Cuvée und ihrem Namen. Diese Supercuvée wird exakt gleich auch in eine Spezialflasche mit verschweißtem Glas gefüllt. Dann kostet er allerdings 300. Das ist der gleiche Wein. Ein Wein der für Jahrhunderte weggelegt werden soll. Lassen sie uns bei der normalen Flasche bleiben. Diese 50/50 Cuvée aus den ältesten Reben vom besten totalen Bio-Terroir in Saint-Emilion ist schon sehr speziell. In diesem Wein ist eben die Merlot-Form, die einen roten Saft hat. Mit extrem kleinen Beeren. Eine Form, die es nur noch auf Château Coutet gibt. Die Urform der Merlot. Die Reben aus diesem Plot sind über 100 Jahre alt. Winzige Erträge. Das Besondere an diesem speziellen Wein ist, dass er komplett im Holz vergoren wird und bei der Mazeration extrem lange auf den Schalen belassen wird. Es wird alles ohne pumpen bewegt und ohne künstliche Bewegung zu Beginn mit den Füßen getreten. Der Wein verbleibt dann bis zum folgenden April im großen Holzfuder und wird erst dann in Barriques gefüllt. Demoiselle wurde 2017 erstmals umgestellt auf eine Entrappung per Hand. In Italien bei Altare nennt man das uno per uno. Das ist eine Methode, wie sie fast nirgends mehr möglich ist. Hier wird wirklich über zwei Tage mit einem Team von 80 Leuten (Freunde des Hauses, Gastronomen, Händler) jede einzelne Traube von Hand entbeert. Es gibt kein einziges grünes Element. Das ist die Quintessenz aller optischen Sortiermaschinen. Perfekter geht es gar nicht. Jede einzelne Beere wird von Hand herausgenommen, gesichtet und entschieden ja oder nein. Das ist vielleicht auch die Besonderheit, warum Demoiselles nochmals so viel anders, weicher und in seiner abgehobenen Art extremer ist. Der Charakter von Demoiselles unterschiedet sich doch recht klar vom normalen Coutet.