Hier hätte Bruno Giacosa auch Serralunga aufs Etikett setzen lassen können, denn dieser Wein kommt zu 100 Prozent aus den jungen Rebstöcken – sie sind zwischen 30 und 35 Jahre alt, also eigentlich gar nicht mehr so jung – in Serralunga, aus der Cru Lage Falletto. Die Lage ist ein großes Amphitheater und zeichnet sich durch ihre unterschiedlichen Ausrichtungen aus. Falls hier Rebstöcke ersetzt werden müssen, werden diese einzeln ausgetauscht, farblich markiert und dann separat gelesen. Der Wein wird im Stahltank vergoren, danach geht er für 34 Monate in große Eichenfässer zum Ausbau. Anschließend folgen 6 Monate Flaschenlager, bevor der Wein auf den Markt kommt. Zartes, leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Die Nase ist erstaunlich erdig mit monumentaler mineralischer Salzigkeit, Eisen, Blut und Teer – typisch Serralunga eben. Dazu kommen schwarze Johannisbeere und frisch geschnittene Kräuter, ein Hauch duftendes Zedernholz mit Herbstwald-Aromen. Aromatisch ist dieser Barolo schiebend, jedoch in seiner Intensität zugleich unendlich elegant und von burgundischer Finesse mit dieser intensiven Erdigkeit des Weins. Er trumpft mit herrlicher Frische auf, um dann kühl und straff am Gaumen Druck zu machen. Walderdbeeren und etwas Minze kommen zu den oben beschriebenen Aromen hinzu. Im Mund hat der Wein wesentlich mehr Struktur und Griffigkeit als die zuvor probierte Asili Riserva 2020. Unendlich viele ultra feine, dichte Tannine legen sich auf die Zunge. Sie hinterlassen im Nachhall kargen Kalkstein und eine salzige Mineralität, wieder auf Cassis Frucht laufend. Ein in Nebbiolo gegossener Traum der Eleganz aus einem der größten Jahrgänge des Piemonts dieses Jahrhunderts.