Peter Jakob Kühn bzw. sein Sohn Peter Bernhard haben die Ausbauzeiten ja vor Jahren schon verändert. Die normalen GGs Nikolaus und Doosberg liegen für ein Jahr im großen Holzfass auf der Vollhefe, dann werden sie auf der Feinhefe in Edelstahl abgezogen bis zum nächsten Frühjahr. Abfüllung stets um Ostern herum, dann weitere Flaschenreife bis zum Release im September. Der Oestricher Doosberg ist eine Einzellage in ca. 120 Höhenmetern in Oestrich gelegen. Er liegt ca. 100 Meter höher als der Nikolaus. Wir sind hier mehr auf Löss-Lehmböden. Also reichhaltigere Böden, die mehr Power und Druck in den Wein bringen. Im östlichen Teil mit einer wunderbaren Südexposition und insgesamt auch einer gewissen Kühle in manchen Teilen. Der Doosberg hat immer viel Substanz, kommt mit Tiefe und Reichhaltigkeit aus dem Glas, hat eine hohe Fruchtintensität und verheimlicht seine Kraft nicht. Aber er ist dennoch stets elegant, getragen und in sich ruhend. Kein Schreihals, aber doch ein auffälligerer Typ als das ganz zarte Lenchen und der stylische Nikolaus. Wir haben deutlich mehr Druck und Frucht als beim Lenchen, er steht viel präsenter und dichter im Mund. Sehr dichte, gewaltige Frucht im Antrunk, Quittenbirne, Kumquat, grüner Tabak. Mächtig viel Schub, dazu diese feine Exotik, das gibt dem Doosberg 2022 schon eine Delikatesse, die nur wenige 2022er hatten. Am verblüffendsten ist aber das Finale. Denn nach diesem beeindruckenden Fruchtspiel erwartet man absolut nicht, dass er so feinsalzig, ja fast leichtfüßig davonschwebt hintenraus. Vorne ein voll aufgefächerter Pfau und im Nachhall ein Schmetterling. Doosberg 2022 ist ein wahnsinnig komplexes Ereignis, weil es so viele Ebenen bespielt. Er ist extrovertiert und expressiv und intensiv mineralisch zugleich. 96-97+/100