Der Bollenberg ist die Top-Lage der familiengeführten Domaine Zusslin für Pinot Noir. Ein exponierter, warmer Weinberg. Unter einer dünnen Schicht aus Tonsand liegt ein purer jurassischer Kalksteinfels. Alles hier ist seit vielen Jahren in Demeter-Bewirtschaftung und die Weinberge sind wie kleine Biotope mit vielen geschützten Insektenarten, Wildblumen und Kräutern. Im Gegensatz zur Ost-Parzelle Neuberg ist die ebenfalls am oberen Hang gelegene Parzelle Luft nach Westen ausgerichtet, was sehr selten ist im Elsass. Die Trauben werden komplett entrappt und dann für 2,5 Wochen spontan vergoren. Zu Beginn mit händischen Punch-downs und am Ende nur noch sanftes Überpumpen des Mostes. Eine sehr zarte Vinifikation. Ausbau für 15 Monate in feinen, burgundischen Barriques mit 10 Prozent Neuholzanteil. Genau die selbe Vinifikation wie für den Bollenberg Neuberg, um nur die Terroirunterschiede sprechen zu lassen. Während der Neuberg mit vollreifen, dunklen Kirscharomen protzt, ist Luft, wie der Name passend andeutet, etwas luftiger, verspielter und heller in der Anmutung. Er stammt aus dem mittleren Teil des Bollenberg auf tiefgründigeren Mergelböden, sehr windoffen und exponiert. Eine warme Lage, die mehr Schub mitbring als der karge Neuberg, daher ist Luft auch immer der feinere, samtigere Wein. Der 2018er ist noch unglaublich jung, selbst mit Release Ende 2025 ist er kaum entwickelt. Das ist schon wahnsinnig, wie gut die Pinot Noirs von Zusslin reifen. Süße Sauerkirsche, Veilchen, Thymian, etwas Rauch, schwarzer und roter Pfeffer. Das ist schon ein hochkomplexer Stoff, der mit einigen Crus im Burgund und den besten Pfälzern locker mithalten kann. Tolle Länge, mit einem präzisen, kreidigen Finale und einer floralen, sehr charmanten Anmutung. Seidig, fein, duftig, zieht sich immer weiter hintenraus. Ein sehr, sehr schicker Pinot Noir. Gehört im Elsass ohnehin zu den Allerbesten im Rotwein-Bereich, aber auch im gesamten deutschsprachigen Raum zählt das mit zur absoluten Spitze.