Die Region Montsant ist geografisch um die Region Priorat herum gelegen und stand lange Zeit im Schatten des wesentlich bekannteren Nachbarn. Für Insider wurde das Montsant bereits vor drei Jahrzehnten zum verlässlichen Lieferanten für Weine gleichwertiger Qualität, aber zu bedeutend attraktiveren Preisen. Venus ist ein Weingut, das von zwei absoluten Ikonen des Priorat geführt wird, nämlich René Barbier – bekannt durch seinen Clos Mogador – und Sara Perez, der Chief-Winemakerin von Mas Martinet. Wer aufgrund dessen hier relativ klassische Power-Weine erwartet, liegt falsch, denn dieser Stoff ist erfrischend anders! Allerdings sind die Rotweine des Weinguts im Vergleich zu den polarisierenden Weißweinen schon sehr viel »sympathischer«. Die hochspannenden Weine sind ein wildes Erlebnis für erfahrene Weinfans! Die Trauben stammen aus einer 10 Hektar großen Parzelle auf zersetztem Granit. 65 Prozent Garnatxa (Grenache) mit 25 Prozent Syrah und 10 Prozent Cabernet Sauvignon. Der 14-16 monatige Ausbau erfolgt zum Großteil im Betontank und ungefähr 40 Prozent reifen in verschiedenen 300 bis 4.000 Liter fassenden Holzfässern. Wie alle Weine des Weinguts, zeigt er sein volles Potenzial erst mit etwas Luft – ich empfehle ein großes Burgunderglas und / oder die Flasche einige Stunden früher zu öffnen und / oder zu karaffieren. Mittleres, leuchtendes Rubinrot mit etwas Magenta am Rand. Die Nase liefert eine Kombination aus saftigen reifen roten und schwarzen Kirschen, mit wilden Waldbeeren, Blaubeeren, duftenden Veilchen und einer subtilen, aber dennoch tiefen, wilden Landluft-Würze. Langer Pfeffer, in der Nase prickelnde, braune Gewürze, Leder, Jod und eine tief brummende, dezent rauchige dunkle Mineralik. Der Stoff erinnert beim Riechen eher an einen erdigen Gevrey-Chambertin, bevor er sich im Mund zum würzigen Hochlagen Grenache verwandelt. Beim ersten Schluck trifft erst eine samtige, attraktive Schwarzkirsch-Welle auf die Zunge, dann klettern die feinen, griffigen Tannine aus dem Trojanischen Pferd. Sie hinterlassen die Textur einer Katzenzunge im Mund. Ich liebe diese Konzentration an knackiger frischer Frucht, die dennoch mit moderatem Alkoholgehalt beinahe schwerelos über die Zunge gleitet. Im Nachhall bleibt salzige Mineralität mit weißem Pfeffer und Salzlakritz auf frisch gepflückten Waldbeeren. Sehr individueller, spannender Stoff von diesen beiden Winzer-Ikonen.