Die Spätlese wird aus den Randbereichen der sich um die Nahe ziehenden Hermannshöhle gelesen. Kommt aus den östlicher, bzw. westlicher exponierten Teilen, die höhere Säure und mehr Spiel aufweisen, die es für die Restsüße braucht. In 2020 gibt es null Botrytis in den Spätlesen. Total cleanes Lesegut. Die Hermannshöhle ist profunder, klassischer Spätlese, weniger abgehoben fein als die Brücke, sie schiebt viel mehr. Intensive gelbe Frucht, Pfirsich, überreifer Grapefruit, Ananas, Sommerapfel. Aber sie hat so einen wunderbaren pikanten, extraktgetriebenen süßen Lauf mit einer famosen Säure und mineralischen Frische. Das ist eine „Spätlese-Plus“. Das ist eine Spätlese, der das letzte Tänzeln der Brücke fehlt, die dafür noch mehr geradeaus läuft, die noch mehr schiebt, und die unendlich nachhällt. Beide Weine werden Jahrzehnte halten. 2021 hat diesen enormen Frischekick, der die etwas üppigere Hermannshöhle Spätlese wunderbar trägt. Aromatisch knüpft die Spätlese ganz klar an das GG an, schmeckt quasi wie das GG nur eben restüß. Hat dieselbe Länge und Intensität. Ganz am Ende nach 30 Jahren mag die Hermannshöhle der Sieger sein, weil sie intensiver, druckvoller und reicher ist. Ich mag die Brücke lieber trinken. 97/100