Aus dem historisch heiß-trockenen Jahr 2022 kommen gerade vom kühleren Norden des Rhônetals so unglaublich gute Weine. Familie Tardieu war schon vor unserem Tasting voll Euphorie und Freude über den superben Jahrgang, der ein bisschen wie 2019 die Quadratur des Kreises aus Reife und Frische verbindet. In dieser extrem versammelten, für Saint Joseph reichen und intensiven Nase. Er hat definitiv viel mehr Druck als der sehr fokussierte Crozes Blanc, der schon Richtung Burgund läuft. Hier sind wir klar an der Rhône mit immens viel Druck und Konzentration. Wir haben Madarine und Melone, sehr schick, sehr stimmig, dann kommen Anis und weißer Pfeffer. Der Wein nimmt den kleinen Neuholzanteil sehr gut mit, zeigt eine tolle Verwobenheit und Balance. Die Weißweine des Nordens haben in 2025 den Vorteil des niedrigeren Alkohols gegenüber dem Süden, sie sind noch spritziger und frischer, obwohl sie laut Tardieu an sich sogar noch konzentrierter waren als im Süden. Die Erträge im Norden waren winzig im Weißwein, teilweise gibt es nur etwas über 1000 Flaschen bei Tardieu, so auch vom Saint-Joseph. Dennoch sind sie trotz ihrer intensiven und dichten Aromatik keineswegs fett oder überwältigend, sondern bleiben frisch und trinkbar elegant. Aber natürlich schiebt der Saint Joseph aus diesem Jahr schon ganz schön an, hat eine wahnsinnige Intensität in seiner Anis-Quitte-Mandarinen-Kombination mit mundwässernden Bitterstoffen im Finale, das einen fast aus der Kurve trägt mit der energiegeladenen Reichhaltigkeit. Das ist großer Stoff und sehr klassisch Nordrhône. *** 13 Prozent Alkohol. 85 Prozent Marsanne und 15 Prozent Roussanne. Rund 40 Jahre alte Reben aus zwei Granit-Lagen in Chavannay und St. Pierre de Boeuf. Ganztraubenpresse und 12 Monate in neuem und zweijährigem Burgunder Barrique auf der Feinhefe ausgebaut ohne Batonage, es wird eine Malo durchgeführt. Gefüllt ohne Schönung und Filtration. Diam-Kork.