Lassak: Riesling Hessigheim Ortswein 2023

Lassak: Riesling Hessigheim Ortswein 2023

Weinclub

Limitiert

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2038
mineralisch
frische Säure
unkonventionell
Lobenberg: 94–95/100
Parker: 94+/100
Deutschland, Württemberg
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Hessigheim Ortswein 2023

94–95
/100

Die Reben stehen auf kargen Muschelkalkböden in den Lagen Steige und Hambach. Hier ist auch eine Parzelle drin, die im Hörnle liegt. Natürlich biologischer Weinbau und alles spontan vergoren, auch spontane Malo. Der Wein verbleibt bis zur Füllung auf der Hefe. Trübe Vergärung, also quasi mit Dreck und Speck, im gebrauchten Holz. Anschließend sehr langes Vollhefelager bis ins Frühjahr 2025, komplett ohne Schwefel. Unfiltriert abgefüllt. Der Ortswein kommt schon eine ganze Spur ernsthafter und geschliffener daher als der Gutsriesling. Wir gehen hier weg von der Frucht, sind deutlicher beim Bodenausdruck mit viel hellem Gestein und Kräuternoten. Sehr viel Kalk, dann Zitronengras, Zitronenschale, karger und puristischer in der Ausrichtung. Blühender Thymian, milde Limetten, ein bisschen Orangenschale darunter. Die Säure ist strukturgebend, aber sehr fein und mit feinem Schmelz durch die spontane Malo. Sehr schöner, reif geernteter, niedrig geschwefelter Riesling, der durch seine charmante Aromatik und eine schöne Saftigkeit besticht. Ein Riesling mit vibrierender Frische, großartiger, herbsaftiger Ader und feiner Terroirprägung der Muschelkalk-Lagen am Neckar.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

94+
/100

Parker über: Riesling Hessigheim Ortswein

The 2023 Riesling Hessigheim opens with a clear, very intense and elegant nose of perfectly ripe mirabelle plums intertwined with saline notes of crushed limestone and dried orange and lime zest nuances. Medium- to full-bodied and still a little bit untamed, this is an uplifted, finessed and elegant Riesling with a wonderfully mouthwatering and saline finish. Derived from 55- to 60-year-old vines, this Riesling develops its impressive length almost imperceptibly, without pressure but with a great deal of playfulness, finesse and saltiness. Though still young, this is a magnificent Riesling from the Neckar region. 12% stated alcohol. Unfiltered. Natural cork. Tasted in November 2025.

Mein Winzer

Lassak

Stefanie und Fabian Lassak, ein junges Ehepaar, haben 2016 ein kleines Manufaktur-Weingut in Hessigheim am Neckar gegründet. Das Herzstück ihrer Arbeit sind terrassierte Weinberge mit spannenden Muschelkalkböden.

Riesling Hessigheim Ortswein 2023