Das ist der Lieblingswein von Alexander Stoddens Frau, weil er so charmant und verführerisch ist. Eine Orgie an Blumen und süßen Beeren, immer offen, immer ansprechend und zart. Der Weinberg wurde von Alexanders Vater angelegt, ist schon lange in der Familie, Top-Rebmaterial aus Massale mit sehr geringen Erträgen. Es gibt nur 600 Flaschen, also zwei Barriques in 2022. In 2022 war die Trockenheit das bestimmende Thema über den Sommer, dann kam der Regen im Herbst, der zu einem mutigen Wartespiel wurde. Alexander hat einen Großteil seiner Trauben vor dem Regen geholt, weil er nicht pokern wollte oder anders gesagt die reifen Trauben reinholen wollte, um im schlimmsten Fall nicht zu viel zu verlieren. Dann ging es immer wieder hin und her mit partiellen Regenschauern und am Ende war für Alexander alles was vor dem Regen geholt wurde das größere und bessere Material. Der Boden im Rosenthal ist eine Mischung aus Sonnenberg und Herrenberg, also dunkler Schiefer und feiner Lehm. Die Reben sind rund 30 Jahre alt, aber haben die alte, von Alexander Stoddens Vater selektierte Genetik. Wie immer bei Stodden komplett entrappt und eine Kaltmazeration vor der Gärung. Alexander mag keinerlei grüne Noten in seinen Weinen. Spontane Angärung im Edelstahl, Ausbau in zwei Barriques, eines davon neu, das andere in zweiter Belegung. Das ist Stoddens seltenstes GG, es gibt je nach Jahrgang nur maximal 2 Barriques. Die Nase ist total fein und seidig schon im Duft, Rosenblätter, Veilchen, Darjeelingtee, dann Blaubeere und ein ganz feines aber würziges Cassis, das mich an die besten Gevrey-Chambertin erinnert. Auch der Mund ist Mozart-artig verspielt und leichtfüßig, die Herzkirsche ist mit einer gewaltigen Salzladung behaftet, aber alles kommt so schwebend und zart daher. Die Mineralität ist schon ziemlich prägnant, aber der Wein ist sooo unendlich fein.