Lobenberg: In 2022 war die Trockenheit das bestimmende Thema über den Sommer, dann kam der Regen im Herbst, der zu einem mutigen Wartespiel wurde. Alexander hat einen Großteil seiner Trauben vor dem Regen geholt, weil er nicht pokern wollte oder anders gesagt die reifen Trauben reinholen wollte, um im schlimmsten Fall nicht zu viel zu verlieren. Dann ging es immer wieder hin und her mit partiellen Regenschauern und am Ende war für Alexander alles was vor dem Regen geholt wurde das größere und bessere Material. Wie immer bei Stodden komplett entrappt. Alexander mag keinerlei grüne Noten in seinen Weinen. Spontane Angärung im Edelstahl, Ausbau in Barriques in vierter und fünfter Belegung. Die Nase ist dunkelfruchtig und zeigt üppige Konzentration, sehr dichte Schwarzkirsche, Cassis, Lavendel, frischer Espresso. Warme, reiche Frucht schon im Duft, ein köstlicher Jahrgang in der Reichhaltigkeit. Im Mund überrascht vor allem die Süße aus der Kirsche, darunter dunkle Schokolade und saftige Blaubeere, pikant und frisch, durchaus erstaunliche Spannung für den heißen Jahrgang. Da wird ein wunderbares Spannungsfeld am Gaumen aufgebaut, was der saftig-süßen, reichen Frucht toll entgegensteht. Leicht salzig belegend an den Zungenrändern, schießt mittig durch auf der Schwarzkirsche und samtiger Blaubeere mit etwas dunklem Gestein im Nachhall. Ein Jahr für den Hedonismus, weniger spannungsreich als 2021, das ist klar, mehr in der burgundischen Delikatesse und perfekten Geschmeidigkeit.