Der Schlossberg ist die wärmste Lage von Fürst. Süd-, Südwestexposition, also sehr warmer Nachmittag. Extrem viel Trockenmauern. Terrassen mit teilweise nur zwei Reihen, manchmal sogar nur eine. Alles Handarbeit. Wie an der Terrassenmosel, nur hier keine Einzelpfahlerziehung, sondern Drahtrahmen. Diese heißeste Lage der Spätburgunder von Fürst ist gleichzeitig aber nicht die drückendste, sondern die femininste, die zarteste Pinot-Noir-Anlage, weil die Weine eher etwas milder ausfallen. Die Weine sind auch weniger wild. Wie alles steht auch der Schlossberg auf reinem Buntsandstein. Reiner Fels mit etwas Verwitterungsauflage. Der Schlossberg stammt nicht aus Bürgstadt, sondern der Nachbarsgemeinde Klingenberg. Es gibt nur 1,3 Hektar, alles mit französischem Klon bestockt. Fürst arbeitet bei den Spätburgundern mit einer »Vormazeration«. Die unentrappten, völlig intakten Trauben werden in die Bütt gelegt und mit Kühlplatten auf eine niedrigere Temperatur gebracht, dass sie nicht so schnell in die Gärung schießen. Danach wird das möglichst vorsichtig Entrappte darüber geschichtet, aber nicht angequetscht. Dann wird die Kühlung entfernt und Stück für Stück beginnt die Gärung. Es wird die ersten acht bis zehn Tage überhaupt nicht gestampft, d.h. wir haben eine Vergärung in der teilweise ganze, intakte Beeren heile verbleiben bis zur Pressung. Zwischendurch wird dann allerdings auch mit einem Stößel untergestoßen. Wir haben also eine Kombination aus teilweiser Maceration Carbonique innerhalb der Beeren und gleichzeitig einen oxidativeren Ansatz. Das gibt eine größere Vielschichtigkeit und eine größere Fruchtstärke. Alle GGs haben bei Fürst 100 Prozent Ganztrauben in der Gärung. Unfiltrierte Abfüllung Mitte März 2024. Ich kann mich kaum erinnern mal eine so perfekte, harmonische, kühle und makellos geschliffene Nase im Schlossberg gehabt zu haben. Wir sind wie immer rötlicher und zarter in der Auslegung als in Bürgstadt, das ist auch 2022 so. Schwebend feine Himbeere, Herzkirsche, Lavendel, Rosenblätter. Ein Duft für die Götter. Ein hochfeiner, tänzelnder Saft im Mund. Ein total entspannter Säurezug, der den Wein feinst marmoriert, süße Himbeere, rote Waldbeeren, ein Touch Grapefruit, süße Minze. All das ist auf eine so unverschämte Weise mit einander verwoben und kanalisiert, so perfektionistisch, dass ich nicht weiß, wie ich es anders beschreiben sollte. Wer deutschen Spätburgunder liebt, der muss in einem solchen Schlossberg 2022 eigentlich sein Weihwasser gefunden haben. Wir haben die Kühle von 2019 mit dem feinfruchtigen Charme von 2020 und landen am Ende irgendwo dazwischen. Besser geht es fast nicht mehr.