Die Côte-Rôtie war 2023 zusammen mit Saint-Joseph und Condrieu eine begünstigte Appellation, weil es hier wenig Hagel und Regen während der Lese gab und auch die große Hitze der Südrhône blieb hier aus. 2023 Côte-Rôtie gehört sicherlich zu den ganz großen Jahren, weil es neben der Größe von 2022 auch mit einer großen Komplexität, Feinheit und Finesse brillieren kann. Die Nase ist entsprechend nicht so brachial und intensiv wie 2022, sondern spielerischer. Feine Kirsche, schwarze Frucht, etwas Cassis, Brombeere und Maulbeere, aber alles fein bleibend. Etwas Holunder darunter, schöne Veilchennote, aber alles nicht zu süß, sondern alles filigran und schwebend. Man möge einmal einen Chavaroche oder einen berühmten Lancement trinken, dann weiß man, wie dieser Côte-Rôtie von Tardieu ist. Ich glaube nicht, dass es überhaupt einen Côte-Rôtie gibt, der im Preis-Qualitäts-Verhältnis mit Tardieu mithalten kann. Wir haben »top of the tops«, die oberste Qualitätsspitze. Und trotzdem haben wir einen Preis, der der Qualität spottet. Was für eine komplexe Nase, so schick! Auch ein ultrazarter, feiner Mund mit schwarzer Kirsche und toller Säurespitze, dazu Chilischärfe und etwas verbranntes Fleisch. Dann auch rote und schwarze Kirsche. Geniale Frische und Salzigkeit! Honigkaramelle läuft mit Stein, Chili und roter Frucht die Zunge runter. Wow, was für eine spielerische Eleganz! In der Nase dunkle Schokolade mit rosa Pfeffer, um Mund dann grüner Pfeffer und Chili. Was für eine geniale verspielte Eleganz! Nein, wir sind nicht bei der Power, nicht bei dem Druck von 2022. Das Jahr 2022 gab es an der Rhône nie zuvor und wird es vielleicht auch lange nicht mehr geben. Aber 2023 ist aufgrund seiner Eleganz und spielerischen Komplexität auf dem gleichen Level, nur in einer burgundischen Art. Das ist Musigny aus Côte-Rôtie. Was für eine grandiose Freude! 100/100 *** Der Côte Rôtie von Tardieu besteht natürlich zu 100 Prozent Petite Syrah. Oder Serine, wie die uralte, kleinbeerige Form der Syrah hier genannt wird. Die Reben sind weit über 60 Jahre alt und stehen in den Einzellagen Landonne, Lancement und Chavaroche. Lancement ist definitiv meine Lieblingslage bei Ogier, Chavaroche bei Levet und Landonne ist meist der beste Wein bei Guigal. Das zeigt, wie unendlich lange Michel Tardieu hier Beziehungspflege betrieben hat. Die Trauben gehen komplett unentrappt in die spontane Fermentation im Betontank. Ausgebaut wird der Wein für 12 Monate in Barriques, teils neues Holz, teils Zweitbelegungen. Danach weitere 12 Monate in großen Doppelstückfass von Stockinger. Keine Schönung und Filtration vor der Füllung in die authentischen Burgunderflaschen mit Naturkork. Der Côte Rôtie von Tardieu kommt aus den berühmtesten Einzellagen der Appellation und auch von sehr namhaften Erzeugern, die ich persönlich kenne und zum Teil in meinem Portfolio habe. Aber was die Tardieus daraus machen, ist einfach eine sehr spezielle Liga zu einem atemberaubenden Preis.