Lobenberg: Leider wurde Familie Näkel, wie viele andere, sehr hart von der Flutkatastrophe an der Ahr getroffen. Produktion, Vinothek, Schatzkammer und Weinlager wurden geflutet. Der Jahrgang 2020 wurde komplett weggespült, 2019 und 2018 lagen in einem extra Flaschenlager in Dernau. Der 2022er ist in der provisorischen Halle in Dernau, die aktuell bis zum Neubau noch »Das Weingut« von Meyer-Näkel ist, vinifiziert und ausgebaut worden. Solange bis das neue Weingutsgebäude fertig gestellt ist, werden die Weine hier gemacht. Alles war neu nach der Flut, jede Pumpe, jeder Schlauch, die ganze Technik, die Pressen, alles war ja geliehen, weil nichts mehr da war. Ausbau in überwiegend gebrauchten und neuen Barriques für ein knappes Jahr. Da alle Barriques weg waren gab es von vielen Freunden gebrauchte Barriques, von Heger, Huber und anderen, sowie aus dem Burgund. Vom Dernauer Blauschiefer, der eine ganz feine Klinge ist, auf diesen Wein zu wechseln, ist ein sehr deutlicher Umschwung. Der Spätburgunder Gutswein soll die gesamte Ahr abbilden, quasi wie ein Bourgogne Rouge als Regionalwein von Ahrweiler bis Dernau und mehr. Sehr dichte, reiche Nase mit der ganzen Kraft von 2022. Süße Schwarzkirsche, Holunder und Brombeere mit warmem Kakao und feinen Karamellen darunter. Tolle Saftigkeit im Mund, richtig schlotzig, fast pfälzisch in der Fülle und Cremigkeit dieses Jahr, viel Druck, aber wir bleiben elegant, feingliedrig und bei einer gewissen steinigen Kühle im Ausklang, die typisch für Meyer-Näkel ist. 92-93+/100