Australier nennen den Noble One respektvoll ihren »Château d’Yquem Australiens«! Auch meiner Meinung nach zählt der berühmte edelsüße Wein zu den eindrucksvollsten Sauternes-artigen Süßweinen der südlichen Hemisphäre – wenngleich der echte d’Yquem trotzdem sowohl in seiner Komplexität als auch in seinem Preisbereich in einer ganz anderen, unerreichbaren Liga spielt – das muss ich hier fairerweise sagen. Die Geschichte der australischen Ikone ist zudem noch bemerkenswert jung, denn der Wein wurde erstmals 1982 von Darren De Bortoli eher als Zufall gemacht. Ein heftiger Regenschauer verursachte damals kurz vor der Lese den Befall des Weinbergs mit der Edelfäule. Der Pilz, Botrytis Cinerea, ist sowohl im Sauternes als mitunter auch deutschen Beerenauslesen für die herrlichen, süßen Weine verantwortlich. Hohe Bewertungen und Auszeichnungen ließen nicht lange auf sich warten und mittlerweile ist der Noble One seit einigen Jahrzehnten von den besten Dessertweinkarten der Welt nicht mehr wegzudenken. Er steht in tiefem Gold mit hoher Viskosität im Glas. Intensive, noble Aromen von Safran und Bourbon-Vanille treffen auf weißen Honig, Karamell-Toffee, einen aromatischen Hauch Zedernholz, getrocknete Aprikosen, Rosinen und Feigen sowie aromatische Alphonso-Mango, Bananenschale und Sternfrucht. Der Wein schiebt in hoher Konzentration aus dem Glas, zu Beginn mit einer eleganten und zarten Reduktion, die dem Süßwein sogar noch etwas Definition verleiht. Im Mund wird der Unterschied zum süßen Zweitwein des Weinguts, dem »Deen«, klar, denn dieser Noble One ist einfach unschlagbar konzentriert. Ein sagenhaftes Elixier! Der Mundeintritt ist beinahe so cremig und opulent viskos wie Honig! Und aromatisch werden konzentrierte süße Aromen von Waldhonig von erfrischend bitterer Orangenmarmelade, getrockneter Orangenschale, Orangenblüten und der damit einhergehenden zitrischen Säure harmonisch balanciert. Im Nachhall bleiben neben weißem Nougat und weißem Lakritz Aromen von mexikanischem Yucatán-Honig sowie ein Hauch Flieder und Lavendel auf der Zunge. Noble One liefert neben der krassen Konzentration auch eine phänomenale Einzigartigkeit. Ein Wein, der sowohl mit einer Vielzahl an verschiedenen Desserts mit Honig, Karamell und gelben Früchten als auch mit opulenten Vorspeisen wie gebratener Foie Gras oder Pastete harmoniert. Absolut exquisit!