1924 verließ Vittorio de Bortoli in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft schweren Herzens das kriegsgeschüttelte Europa und seine Heimat im norditalienischen Castelcucco. Seine positive Vision, sein Mut und sein unbändiger Wille legten kurze Zeit später das Fundament für sein Weingut, das sogar dazu beitrug, den australischen Weinbau zu revolutionieren!
The American Dream goes Down Under
Dabei war der Anfang in Australien für den jungen Italiener so richtig schwer. Anstelle der geliebten sanften, grünen Hügel seiner Heimat Treviso besteht die Gegend im australischen New South Wales nämlich hauptsächlich aus flachen, kargen, staubigen Ebenen aus roter Erde. Auch was die Arbeitsbedingungen anbelangt, waren die Anfänge hier gnadenlos hart. Vittorio lebte teils unter extrem spartanischen Bedingungen – zeitweise diente ihm sogar eine einfache Regenwassertonne als Dach über dem Kopf! Die Bedingungen waren schlichtweg unvorstellbar.
Vittorio war dennoch stets von der Hoffnung auf bessere Zeiten angetrieben und ließ sich nie entmutigen. Trotz der beißenden Armut und aller Herausforderungen hielt er an seinen Grundwerten aus der Heimat und den größten Freuden des Lebens fest: gutes Essen, hervorragender Wein und eine echte Leidenschaft für das Leben. So schaffte er es, dem gleichermaßen dramatischen als auch inspirierenden Weg aus den gnadenlos ärmlichen Verhältnissen zu folgen und ein florierendes Vorreiter-Weingut Australiens zu gründen.
Der Anfang des Weinguts De Bortoli
Ein Jahr nachdem seine Verlobte Giuseppina 1927 endlich ebenfalls in Australien ankam, konnten die beiden eine knapp 14 Hektar große Obstfarm kaufen. Die Richtung zum Weinbau wurde bereits ein Jahr später eingeschlagen, als sich eine umwerfende Möglichkeit ergab: In dem extrem ertragreichen Jahr ließen nämlich viele Bauern ihre Shiraz-Trauben einfach an den Stöcken hängen, denn die Lese und Verarbeitung waren damals, ohne ausreichendes Personal, einfach zu teuer. Zudem befürchteten die Bauern damals, so viel Wein nicht zeitnah verkaufen zu können. Für den tugendhaften und fleißigen Vittorio war dies eine riesige Chance, denn er durfte die Trauben der anderen Bauern kostenlos ernten.
In einer immensen Leistung verarbeitete er eigenhändig 15 Tonnen Shiraz! Andere italienische Einwanderer aus der Region waren von der Qualität und Stilistik absolut begeistert und rissen ihm seinen ersten Wein förmlich aus den Händen. De Bortoli Wines war geboren!
Die Erfolgsgeschichte einer Familie
Bereits in den 1930er-Jahren wuchs die Familie und die zweite Generation wurde in Australien geboren. Auch das Weingeschäft entwickelte sich prächtig, und es wurden ganze Zugladungen von De Bortoli Weinen nach Sydney und Queensland geliefert. Nach dem Zweiten Weltkrieg florierte das Geschäft immer weiter.
1951 brach der junge Deen de Bortoli im Alter von 15 Jahren gegen den ausdrücklichen Wunsch seiner Eltern die Schule ab, denn er wollte lieber im Weingut mit anpacken. Mit 21 begann Deen dann, das Weingut zu modernisieren. Oft nutzte er die Gelegenheit dazu, während sein Vater Vittorio geschäftlich verreist war, um seinen Innovationsgeist heimlich auszuleben und die Kellerei zu erweitern. Mittlerweile ist bereits die vierte Generation der Familie De Bortoli in die australische Erfolgsgeschichte involviert.
Der Geniestreich: Die Geburt des „Noble One“
1982 kreierte Deens Sohn Darren De Bortoli als frischgebackener Önologe den Noble One Botrytis Semillon eher zufällig aufgrund der Wetterbedingungen des Jahrgangs. Der edelsüße Dessertwein wurde ursprünglich als »De Bortoli Australian Sauternes« veröffentlicht. 1990 wurde er aufgrund des Handelsabkommens zwischen Australien und der EU, in dem Australien zustimmte, europäische Herkunftsbezeichnungen wie »Sauternes« von den Weinetiketten zu entfernen, in »Noble One« umgetauft. Bereits kurze Zeit nach dem ersten Release brach der Wein alle Rekorde. 1985 gewann er sogar die begehrte Trophy für den besten Botrytis-Wein bei der International Wine & Spirit Competition in London! Ein großer Erfolg, der 1992 und 2004 wiederholt wurde und die großartige Qualität des australischen Süßweins zementierte. Bis heute hat der Noble One beinahe unzählige Goldmedaillen und internationale Auszeichnungen eingesackt. Der »Noble One« gilt völlig unangefochten als DER Maßstab für australische Edelsüßweine.
Die Vision im Blut
Darren De Bortoli und sein Schwager, der renommierte Weinmacher Steve Webber, leiten das Kellerteam gemeinsam, während das Weingut immer weiter expandiert. Leanne De Bortoli und Steve Webber schlugen später im kühleren Yarra Valley in Victoria neue Wurzeln und errichteten dort ein neues Weingut, das »De Bortoli Yarra Valley Estate«, sowie ein Restaurant.
Steve Webber wurde für sein Ausnahmetalent im Keller 2007 vom Magazin Gourmet Traveller WINE als »Winemaker of the Year« ausgezeichnet.
Hier wird Nachhaltigkeit gelebt
Pünktlich zum 90. Jubiläum leitete das Weingut De Bortoli 2010 bewusst umfangreiche umweltfreundliche Änderungen ein. Die immer gegenwärtiger werdenden Herausforderungen durch den Klimawandel gehen Hand in Hand mit dem tiefen Wunsch, den nachfolgenden Generationen gesunde Böden zu hinterlassen. Deshalb verschrieb sich die Familie De Bortoli auch in weiser Voraussicht radikal der Nachhaltigkeit. Das greifbare Ziel, eine »Zero Waste Wine Company« zu werden, ist mit der Philosophie des Weinguts sowieso wunderbar verwoben.
Mittlerweile erbrachten auch diese Taten einige wichtige Auszeichnungen. Beispielsweise wurde der International Sustainability Award bereits mehrmals gewonnen. Neben der Installation von Solarzellen gibt es Initiativen bei der Abwasserwiederaufbereitung in den Weinbergen von Riverina sowie bei der Kaliumrückgewinnung.
2018 und 2019 wurde De Bortoli in London zum »Winery Innovator of the Year« gekürt und schaffte es zudem als einziges Weingut in die Top 10 der innovativsten Unternehmen der Australian Financial Review. Seit 2021 ist De Bortoli zertifiziertes Mitglied von Sustainable Winegrowing Australia.
Die Familie De Bortoli legt den Fokus wie seit eh und je auf den Fortschritt und bleibt mit ihren Weingütern ein globaler Vorreiter.
Vom staubigen Lagerplatz unter einer australischen Regenwassertonne bis hin zur hochmodernen, biologisch wirtschaftenden Weltklassemarke beweist die Familie De Bortoli seit beinahe einem Jahrhundert, dass Tradition und Innovation sich nicht ausschließen. Der einzigartige »Noble One« ist – zumindest schon mal Down Under – absolut legendär!






