Maustal ist ein Amphitheater an den Mainhängen südlich von Sulzfeld. Eigentlich kommt das GG immer aus derselben Parzelle von rund einem Hektar. Die Reben sind 1962 und 1963 gepflanzt. Süd-südöstliche Ausrichtung, also Morgensonne, aber keine Abendhitze, wie im Burgund. Dazu karger Muschelkalkboden, nach einem halben Meter Erdauflage kommt direkt der Kalksteinfels. Zertifiziert biologische Weinbergsarbeit. Spontane Vergärung und Ausbau auf der vollen Hefe im traditionellen Doppelstückfass aus heimischer Spessart-Eiche. Ganz dem Luckert‘schen Stil entsprechend weht hier keine Fruchtbombe aus dem Glas, sondern immer eine zurückhaltende, sehr elegante Frucht. Selbst in heißen Jahren zeigt das Maustal in der Jugend keinerlei Opulenz. Die uralten, zum Teil wurzelechten Reben bringen eben die Eleganz und Ruhe in den Wein. Es ist eine Konzentration aus niedrigen Erträgen und nicht im Keller aufgepumpt, da tun Luckerts ja fast nichts. In der Nase feuchtes Gestein und etwas Schießpulver, darunter leicht ins Grünliche changierede Frucht von Limettenzeste, grüner Aprikose und immer wieder viel Rauch und Gestein. Was für ein kühler Mineralhammer aus diesem an sich ja wieder recht heißen Jahr. Der Jahrgang 2023 hat eine ungeheuerliche Frische, da geht richtig die Post ab im Mund. Obwohl die Säure auf dem Papier nicht enorm hoch ist, steht sie Gewehr bei Fuß und zieht in diesem Silvaner mal richtig andere Seiten auf. Was für ein fantastischer Fluss, eine Spannung, dass es nur so kracht. So möchte ich meine Silvaner jedes Jahr haben, straff, rassig und mit Riesling-artigem Mineralausdruck. Voll geradeaus durchziehend. Das Maustal 2023 macht keine Gefangenen! Die Konzentration aus den hohen Extrakten gibt die perfekte Unterlage für diese sehnig-straffe Auslegung, es ist ein bisschen die Quadratur des Kreises. Der Kalkstein zieht nach wie eine Lawine, sehr viel Grip, Struktur, Dichte. Alles ist da und doch hat es diese gewisse Leichtigkeit im Trinkfluss. Enorm stark – für mich sogar noch einen Ticken vor dem superben 2022er. Das ist Silvaner-Weltklasse.