Philipp Wittmann: »Ich glaube, dass 2025 extrem mineralisch aufgeladen ist, auch wenn der Begriff inflationär verwendet wurde in den letzten Jahren. Aber es war genug Wasserversorgung da, sodass da in den Trauben schon sehr viel Extrakt aufgebaut wurde. Die Weine haben mich in der Jungwein-Probe sehr an die Weine meines Vaters der besten Jahrgänge der 1990er Jahre erinnert. Diese Schlankheit und Kühle hatten wir schon lange nicht mehr.« Die Reben kommen aus vielen Ersten und Großen Lagen von Philipp Wittmann, alles Kalkstein. Das ist richtig großes Material für einen Gutswein. Und trotzdem waren es die frischeren Trauben, die Trauben mit der höheren Säure. Dieser Estate Riesling (Estate steht in diesem Zusammenhang für 100 Prozent aus eigenen Weinbergen, ganz ohne jeden Zukauf von Trauben). Alles Handlese. Es sind bis auf eine Ausnahme nur Westhofener Trauben hier drin. Eine einzige Parzelle in Weißheim oberhalb des Morstein auf über 280 Metern Höhe geht mit ein für einen Frischekick und auch etwas Höllenbrand. Der Gutswein von Wittmann gehört immer zu den besten des Landes. Er ist so clean, so straight, hat einen puren Kalksteinausdruck. Philipp Wittmann: »Von der Güte der Trauben war 2025 so ziemlich am Maximum, was ich den Weinbergen aktuell zutrauen würde. Das war schon alles sehr nah am Optimum.« Die Erträge sind relativ klein, vor allem die Saftausbeute war deutlich geringer als erwartet. Entsprechend konzentriert sind die Weine, weil eben auch die Wasserversorgung gut war über den Sommer. Die Extrake sind hoch, die Trauben haben absolute Vollreife erzielt. Laut Philipp Wittmann kann das ein ganz großes Ding werden, aber die Zeit wird es zeigen. Die Lese begann am 2. September, innerhalb von 19 Tagen war dann die gesamte Ernte eingeholt. Bei Wittmann konnte bei überwiegend bestem Wetter nahezu alles reinholen, bevor der größere Regen einsetzte. Das hat Wittmann quasi nicht betroffen. In der Nase eine delikate Zitronigkeit, Melisse, saftiger gelber Pfirsich, super ausgewogen, unglaublich harmonisch. Ich bin wirklich erstaunt über diese feine Zugänglichkeit. Das ist einfach mega Traubenmaterial gewesen, sagt Philipp Wittmann. Und das schmeckt man. Da ist schon mehr Wein im Glas als 2024, das eben superstraff war. Hier sind wir bei einem ernsthaften, druckvollen Kalkstein-Riesling, der ganz feine Kalksteinadern über die Zunge zieht. Er hat eine beeindruckende Länge für einen Estate. Das steht locker neben vielen Ortsweinen des VDP, gar keine Frage. Hohe Komplexität und irrer Grip, für einen »Gutswein« ist das großes Kino, dafür ist er eigentlich zu gut.