Die Jungfer ist bei Prinz immer das kargste, am kühlsten anmutende GG. Diese Toplagen in Hallgarten liegt oberhalb des Oestricher Doosbergs und ist geprägt von quarzithaltigen Böden. Nach Südwesten ausgerichtet und windoffen, ist sie etwas kühler als die Oestricher Lagen, ergibt deshalb immer auch etwas filigranere Weine mit feiner, kristalliner Säurestruktur. Die Trauben für das Große Gewächs stammen aus der ältesten Parzelle im Filetstück der Lage. Die Erträge sind hier immer gering, das ergibt kleine, konzentrierte Beeren mit hoher aromatischer Komplexität. Nach der Lese Mitte Oktober, wurden die Trauben teilweise direkt abgepresst und teils mit Maischestandzeit gearbeitet. Vergärung und Ausbau im Edelstahl und im großen Holz. Schon in der Nase ist die Jungfer ein mineralischer Gesteinshammer. Geballte Steinigkeit, viel helles Gestein, Kalk, Kreide und auch etwas Silex. Dazu kommen ätherische Zitrusnoten, als hätte man Limetten und Zitronen auf reinem Kalkfels gerollt, sodass sich die Öle aus den Schalen lösen. Etwas Salzigkeit wie von Austernschale, dazu Minze, Zitronengras und ein Hauch von weißer Johannisbeere. Alles sehr klar und fokussiert. So geradlinig trifft der Wein dann auch auf die Zunge. Noch etwas ungezähmt, fordernd mit dieser unglaublich hohen Spannung und mineralischer Vitalität fegt die zitrische Säure durch den gesamten Mundraum. Salzzitrone, grüne Mandarine und Limette im Wechselspiel. Die Zungenränder werden beansprucht, Speichelfluss setzt ein auch wegen der enorm salzigen Textur, die der Wein auf der Zunge hinterlässt. Immense Länge, der Wein steht mit dieser massiven Mineralität umspielt von kühler Kräuterigkeit und zitrischer Eleganz dar, wie ein Kreidefels in der Brandung. Wenn der Doosberg der exotische Schmeichler ist, ist die Jungfer der rassige Purist. Der kühle Hallgarten-Charakter, der auch beim Hendelberg durchkommt, wird hier auf die Spitze getrieben. 97+/100