Kalk & Schiefer ist nominell der Einstieg bei Nittnaus. Im Glas fühlt sich das allerdings ziemlich schnell nach Understatement an, denn schon hier steckt viel Leithaberg-Typizität drin: Kalk für Schmelz und Grip, Schiefer für Würze und diesen kühlen mineralischen Zug. Spontan vergoren und bewusst puristisch im Edelstahl ausgebaut. Die Nase ist knackig und glasklar. Grüner Apfel, Birne und etwas Quitte, dazu Limette und weiße Johannisbeere. Frische Kräuter, etwas Minze und weißer Pfeffer schieben sich dahinter, darunter liegt eine ganz feine rauchige Reduktion. Kein aromatisches Feuerwerk, sondern eher dieses herrlich kühle, steinig-kräutrige Spiel. Einfach sauber auf Zug gebaut. Am Gaumen dann sofort saftig und enorm animierend. Grüner Apfel und Zitrus kommen mit richtig schönem Trinkfluss, dann setzt die Mineralität ein. Feiner kalkiger Grip, ein bisschen Gesteinswürze und eine lebendige Säure ziehen den Wein über die Zunge. Der Kalk gibt gerade genug Schmelz, damit nichts karg wird, der Schiefer zieht ihn hinten raus wieder straff. Dazu Salz, Limettenzeste und ein leicht pfeffriger Nachhall. Eigentlich fast erschreckend viel Terroir für einen Basiswein. Dennoch kein Wein, über den man zwanzig Minuten philosophieren muss, sondern einer, bei dem die Flasche einfach verdächtig schnell leer wird. Frisch, knochentrocken, steinig und mit richtig viel Charakter. Ein kleiner Leithaberg-Crashkurs im Glas und ziemlich viel Wein fürs Geld.