Dass Kranz noch relativ frisch im Sekt-Game ist – erst seit 2019 wird hier komplett selbst versektet – ist wirklich bemerkenswert. Denn dieser Blanc de Noirs wirkt bereits erstaunlich präzise, eigenständig und stilistisch komplett durchdacht. Kein kopierter Champagner-Stil, kein aufgesetztes Hefespiel, sondern vielmehr ein sehr geradliniger, trockener und enorm spannender Blanc de Noirs. Basiert auf dem Jahrgang 2021, ergänzt durch rund 20 Prozent Reserveweine. 85 Prozent Pinot Noir, 15 Prozent Pinot Meunier. Die Trauben werden in kleinen Boxen gelesen, die Grundweine für rund neun Monate in gebrauchten Pfälzer Eichenfässern ausgebaut, ohne Schwefel vinifiziert und anschließend unfiltriert in die zweite Gärung gegeben. 36 Monate Hefelager, komplett im Weingut versektet und handgerüttelt. Das alles bringt enorm viel Substanz und Tiefe, ohne dass der Wein jemals schwer oder technisch wirkt. Die Nase ist sofort unglaublich fein und animierend. Leicht rötliche Zitrusnoten, Sauerkirsche und weißer Pfirsich, dazu auch etwas gelbes Steinobst, feine Blutorangenzeste. Dahinter kommen geröstete Haselnüsse, ein Hauch Brioche und ganz dezente Rauchnoten. Alles wirkt eher kühl und straight als breit oder hefig-opulent. Gerade diese Mischung aus nussiger Tiefe und salziger Frische macht den Sekt so spannend. Am Gaumen dann knochentrocken und mit enorm viel Zug. Die Perlage ist fein und komplett integriert, der Wein zieht saftig und vibrierend über die Zunge. Wieder Pfirsich, etwas Sauerkirsche und herbe Zitrusfrucht. Dazu kalkiger Grip, feiner Gerbstoff und eine salzige Länge, die richtig Lust auf den nächsten Schluck macht. Trotz der etwa drei Jahre Hefelager bleibt hier alles auf Spannung und Trinkfluss gebaut. Kein fetter Autolyse-Sekt, sondern ein unglaublich präziser, puristischer Blanc de Noirs mit Charakter und richtig viel Energie. Sehr stark.