Weingut Heitlinger: Tiefenbach Pinot Noir Reserve 2022

Weingut Heitlinger: Tiefenbach Pinot Noir Reserve 2022

BIO

VDP

Neu

Spätburgunder 100%
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2037
pikant & würzig
fruchtbetont
Lobenberg: 94/100
Falstaff: 92/100
Deutschland, Baden
Allergene: Sulfite
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Tiefenbach Pinot Noir Reserve 2022

94
/100

Der Tiefenbach Pinot kommt aus den jüngeren Reben der Großen und Ersten Lagen rund um den Ort. Im Grunde also jede Menge kleine GG-DNA, nur etwas früher zugänglich und mit deutlich reduziertem Holzeinsatz. Das ist keine abgespeckte Version der Topweine, sondern eine ganz bewusst trinkigere Interpretation derselben Herkunft: weniger Wucht, weniger Ausbau, dafür mehr unmittelbarer Saft und richtig viel Zug. Gerade im warmen Jahrgang 2022 bringt das eine ziemlich starke Balance. Reife Frucht und gute Dichte sind da, aber der Wein bleibt schlank, kühl und wunderbar animierend. Die Nase startet leicht reduziert und eher dunkelwürzig. Sauerkirsche, schwarze Johannisbeere und frische Pflaume, dazu etwas Holunder, Hagebutte und ein Hauch Blutorange. Dahinter liegen schwarzer Tee, getrocknete Kräuter, feiner Rauch und etwas feuchte Erde. Auch eine dezente fleischige Würze schwingt mit, die dem Wein Tiefe gibt, ohne rustikal zu wirken. Das Holz hält sich klar zurück und lässt Frucht, Boden und Würze den Vortritt. Im Mund dann sofort saftig und richtig griffig. Sauerkirsche und rote Waldbeeren schießen mit ordentlich Frische über die Zunge, dazu kommt eine pikante Orangenzeste und etwas herbe Pflaumenschale. Das Tannin ist fein, aber kreidig-zupackend, die Säure straff und trinkfreudig. 2022 gibt dem Wein genug Fleisch und Reife, trotzdem bleibt das Ganze erstaunlich schlank und fokussiert. Kein süßer Fruchtteppich, sondern klare Pinot-Aromatik mit dunkler Würze und einer festen mineralischen Klammer. Zum Finale drehen Kräuter, zarter Rauch und feine Bitterschokolade noch einmal auf. Die Frucht kippt zurück ins Rote, Sauerkirsche und Hagebutte bleiben lange stehen, dazu diese leicht kühle, kreidige Mineralität. Das hat schon richtig viel Substanz und Ernsthaftigkeit, trinkt sich aber trotzdem ganz selbstverständlich weg. Ein kleiner Bruder der GGs, ja, allerdings einer, der ihnen stilistisch verdammt nahekommt. Viel Pinot für diese Kategorie, mit echtem Anspruch und enormem Trinkfluss.

Jahrgangsbericht

Der paradoxe Extrem-Jahrgang 2022 präsentiert sich in Deutschland überraschend elegant, zugänglich und fein. Abseits jeder Hitze-Üppigkeit bestechen die Top-Weine mit reifem Säurespiel, klarer Terroir-Zeichnung und tänzerischer Brillanz – ein extrem selektiver, aber in der Spitze historisch großer Erfolg.

92
/100

Falstaff über: Tiefenbach Pinot Noir Reserve

Dunkelwürzig und dunkelfruchtig im Duft mit Noten von Holunderblüte, Schwarzkische, Tabak, Feuerstelle, nasser Waldboden, Mokka, Bitterschokolade, Beef Jerkey. Die Fleischigkeit verstärkt sich am Gaumen, dazu kühl-mineralisch unterlegt, kreidiges Tannin, straff und schlank, endet rotfruchtig-pikant.

Tiefenbach Pinot Noir Reserve 2022