Der Riesling KING ist bei Seckinger so etwas wie eine Große Reserve aus dem Königsbacher Ölberg. Kein klassischer Lagenwein im engen Sinn, aber im Grunde kommt er komplett aus dieser Lage und bewegt sich qualitativ irgendwo zwischen Ortswein und Lagenwein. Die Reben sind nicht die allerältesten über 30 jährigen, aber der Wein bekommt dafür eine Sonderbehandlung, die ihn völlig aus der normalen Logik heraushebt: Der 2020er lag über vier Jahre im Halbstückfass und anschließend noch einmal weitere Zeit im Stahl. Gibt es nicht jedes Jahr, nur wenn es Sinn ergibt. Gerade einmal rund 1.200 Flaschen. Der Königsbacher Ölberg bringt mit seinem Mix aus Buntsandstein und hohem Kalkgehalt in Kombination mit der Südost-Ausrichtung ohnehin eine ganz eigene Spannung mit. Durch den dominanten Kalkstein gehen die Weine hier weniger in plakative Frucht, sondern vielmehr in Salz, Druck, Würze und Struktur. Beim KING wird dieser Charakter durch das lange Fasslager noch verstärkt. Ein bisschen Nikolaihof-Gedanke in der Pfalz, aber mit dieser unverkennbaren Seckinger-Mischung aus Reduktion, Oxidation, Grip und glasklarer Mineralität. Die Nase ist komplett eigenständig. Salzmandel, Quittenschale, getrocknete Wiesenkräuter und Blüten, dazu Zitrusschale, Austernschale, etwas Jod und eine feine Meeresbrise. Darunter liegt ein Hauch Hefe vom langen Ausbau, ganz zarte Brioche, etwas Rauch, nasser Stein und diese leicht speckige, reduktive Würze. Gelbe Frucht ist nur angedeutet, eher als gelbe Würze denn als Fruchtkorb. Mit Luft kommt ein Hauch kandierte Zitrone, etwas Heu und wieder diese salzige, fast maritime Tiefe. Blind könnte man das irgendwo zwischen reduktivem Jura und sehr eigenwilligem Pfälzer Kalk-Riesling verorten. Am Gaumen ist das dann vor allem Textur. Griffig, salzig, lang, mit einer irre feinen, fast kreidigen Struktur. Quittenschale, Zitruszeste, Salzmandel und ein kleiner Hauch gelber Apfel laufen über eine reife, aber total frische Säure. Nichts ist laut, nichts ist vordergründig, aber alles haftet. Der Wein zieht geradlinig über die Zunge, bleibt dabei erstaunlich balanciert und entwickelt immer mehr Druck aus der Tiefe. Kalk, Salz, Hefe, Stein, feiner Gerbstoffgrip. Das ist kein Riesling für Primärfruchttrinker, sondern ein radikaler Texturwein mit großer Finesse. Seckinger KING 2020 ist ein Unikat: lang gereift, tief, salzig, eigenwillig und dabei von grandioser Klarheit. Schlicht enorm stark!