Der Silberlack ist das Große Gewächs von Schloss Johannisberg. Es wird aus den besten Parzellen rund um die Monopollage des Schlosses gewonnen und im tiefen kühlen Keller unter dem Schloss vergoren und ausgebaut. Perfekt exponiert von Südwest über Süd nach Südost, mit dem darüberliegenden Schloss ein beeindruckendes Schauspiel. Ohne Zweifel eine der herausragenden Lagen des Rheingaus auf Quarzit, Löss und Lehm. Der Weinberg hat die höchste Sonnenscheindauer der gesamten Region. Schloss Johannisberg hat in den letzten Jahren eine wahre Qualitätsoffensive gestartet, die Weine sind gut wie nie zuvor. Aus dem warmen, reichen Jahrgang 2022 hat der Silberlack gewaltig viel Druck und Tiefe. Nach einer kurzen Maischestandzeit, wird er abgepresst und geht sehr trüb in die Fässer. Vergärung und Ausbau zu 100 Prozent in Stückfässern, in 2024 liegt er vollständig im Holz für den Ausbau. Er verbleibt rund 18 Monate auf der Vollhefe, wird dann nochmal in Edelstahltanks auf der Feinhefe gelagert bis zur Abfüllung. Die Stückfässer sind aus Johannisberger Eichen, aus dem eigenen Wald, von der Küferei Hösch gefertigt. Der Silberlack ist ein würzig-steiniger Rheingauer, kein lauter Schreihals, sondern ein Steinwein. Das kommt im kühleren 2024 natürlich besonders zum Tragen. Ich bin erstaunt über die Dichte, die er ausstrahlt aus seiner ansonsten sehr feinen, grüngelben Frucht. Etwas Mangoschale, Papaya, Pfirsich, Quitte. Aber alles nur in Nuancen, drückt sich feinsinnig und kühl aus. Nicht so wuchtig wie 2023. Auch etwas getoastetes Brioche, feinste Oxidation, die bei Johannisberg sehr dosiert eingesetzt wird. Aus diesem kühlen, spätreifen Jahr 2024 hat Johannisberg mit der hohen Reife der Lage einen tollen Schmelz entwickelt. Es wirkt alles andere als karg, da ist richtig Stoff dahinter. Klar sind wir auf der kühleren und ruhigeren Seite verglichen mit dem Vorjahr, aber er ist so kompakt und seidig, dass er im Grunde in Sachen Intensität gar nicht hinter 2023 steht. 2024 ist natürlich etwas schlanker und filigraner. Das war bei Weils Gräfenberg auch schon so. In den wirklich sehr guten Lagen ist 2024 mit 2023 fast auf Augenhöhe. Das ist ein urklassischer Rheingauer wie früher mit der Perfektion des modernen Weinbaus. Wo der 2023er doch ein ziemliches Powerteil war, glänzt der 2024er mit seiner bestechenden Eleganz. Gefällt mir persönlich fast noch besser als das geniale Vorjahr