Der Weinberg ist so karg, dass man kaum Probleme mit Unkräutern hat, weil hier kaum etwas wächst außer den Reben. Hohe Stockdichte und nur französische Genetik, von Rudolf May selbst gepflanzte Reben. Spontane Maischegärung mit einem 30 Prozent Rappenanteil, Ausbau im Barrique für rund 24 Monate mit rund 20 Prozent Neuholz, François Freres-Fässer. Und dann kommt mit 2022 einer der größten und opulentesten Spätburgunder-Jahrgänge der jüngeren Geschichte, der sich aber bei aller Kraft, wie 1990, eine grandiose Säurefrische bewahrt hat. Dunkelbeerige Frucht, hochintensiv, die mit Luft immer frischer wird, Brombeere, Cassis, dunkle Sauerkirsche. Köstlich kühl und herbsaftig, das ist eben Cool Climate Franken, es wird trotz Power-Jahrgang nicht fett, sondern bleibt fokussiert und straff. Wo 2021 noch etwas mehr Finessenstoff für Insider war im Pinot, ist 2022 schon mehr eine Charmeoffensive mit gewaltig viel Schubkraft. Ein grandioser Pinot Noir aus Franken, alle Achtung.