Es gab in 2025 keinen Frost und wenig Pilzdruck bei Mays. Der Pflanzenschutz war recht entspannt, die Trauben kerngesund. Rund 95 Prozent der Lese waren vor dem großen Regen im September schon eingeholt, von daher hat sie das nicht tangiert. Die Silvaner und Chardonnays sind früh reif und waren quasi perfekt. Ein recht harmonisches, entspannteres Jahr bei Mays als 2024. Rothlauf ist eine der Toplagen von May. Der Weinberg ist über 50 Jahre alt und stehen auf Muschelkalk. Durch den harten Frühjahrsfrost und die Peronospora hat der Öko-Betrieb May rund die Hälfte der Ernte verloren. Die übrigen Trauben waren sehr konzentriert, kraftvoll und intensiv. Der Ertrag lag im Rothlauf um die 15 Hektoliter auf dem Hektar, also extrem gering. Die Beeren sind etwas größer als im Himmelspfad, weil es schon mehr Schub vom Boden gibt. Auch die Stöcke sind gewaltig, haben sogar Jancis Robinson schon zutiefst beeindruckt bei ihrem Besuch bei Mays. Rudolf hat den Weinberg in 2009 übernommen. Die Weinbergsarbeit geschieht bei May nach Bioland-Zertifizierung. Der Ausbau zu zwei Dritteln im Stückfass aus heimischer Spessart-Eiche mit langem Hefelager und zu einem Drittel im Betonei. Schon der Duft ist bezaubernd, so elegant, aber in 2025 mit krachender Intensität. Ich liebe diese Nase. Grüne Mandarine, Kumquat, Grapefruit, Limettenzeste, Bitterlemon, Verbene. So pikant! Kräuterkick mit reifer Zitrusfrucht im Mund, sehr intensiv, zupackend. Die straffe, herbale Bitterlemonfrucht zieht sich auch in den Mund, läuft über Kieselstein, weißer Pfeffer. Er ist expressiv und hat Kraft, ist aber neben dem vibrierenden Himmelspfad der elegantere und ruhigere Wein. Wer Silvaner liebt, sollte stets ein paar gereifte Jahrgänge Rothlauf im Keller haben, denn das ist einer der größten Silvaner Deutschlands.