Rudolf Fürst: Spätburgunder Klingenberger Schlossberg Großes Gewächs 2024

Rudolf Fürst: Spätburgunder Klingenberger Schlossberg Großes Gewächs 2024

Weinclub

VDP

Limitiert

Zum Winzer

Spätburgunder 100%
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2030–2054
strukturiert
pikant & würzig
seidig & aromatisch
Lobenberg: 100/100
Stuart Pigott: 97/100
Deutschland, Franken
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Klingenberger Schlossberg Großes Gewächs 2024

100
/100

Der Schlossberg ist die wärmste Lage von Fürst. Süd-, Südwestexposition, also sehr warmer Nachmittag. Extrem viel Trockenmauern. Terrassen mit teilweise nur zwei Reihen, manchmal sogar nur eine. Alles Handarbeit. Wie an der Terrassenmosel, nur hier keine Einzelpfahlerziehung, sondern Drahtrahmen. Diese heißeste Lage der Spätburgunder von Fürst ist gleichzeitig aber nicht die drückendste, sondern die femininste, die zarteste Pinot-Noir-Anlage, weil die Weine eher etwas milder ausfallen. Die Weine sind auch weniger wild. Wie alles steht auch der Schlossberg auf reinem Buntsandstein. Reiner Fels mit etwas Verwitterungsauflage. Der Schlossberg stammt nicht aus Bürgstadt, sondern der Nachbarsgemeinde Klingenberg. Es gibt nur 1,3 Hektar, alles mit französischem Klon bestockt. Fürst arbeitet bei den Spätburgundern mit einer »Vormazeration«, das ist im Grunde keine richtige Kaltmazeration. Die unentrappten, völlig intakten Trauben werden in die Bütt gelegt und mit Kühlplatten auf eine niedrigere Temperatur gebracht, dass sie nicht so schnell in die Gärung schießen. Danach wird das möglichst vorsichtig Entrappte darüber geschichtet, aber nicht angequetscht. Dann wird die Kühlung entfernt und Stück für Stück beginnt die Gärung. Es wird die ersten acht bis zehn Tage überhaupt nicht gestampft, d.h. wir haben eine Vergärung in der teilweise ganze, intakte Beeren heile verbleiben bis zur Pressung. Zwischendurch wird dann allerdings auch mit einem Stößel untergestoßen. Wir haben also eine Kombination aus teilweiser Maceration Carbonique innerhalb der Beeren und gleichzeitig einen oxidativeren Ansatz. Das gibt eine größere Vielschichtigkeit und eine größere Fruchtstärke. Der Schlossberg bekam in 2024 rund 85 Prozent Ganztrauben-Anteil in der Gärung. Unfiltrierte Abfüllung am 13. April 2026. Der Jahrgang 2024 war mengenmäßig einer der kleinsten in der Geschichte von Familie Fürst, nur 18 hl/ha im Betriebsschnitt. Drei Weine wurden aufgrund von Frost sogar gar nicht produziert. Die Frostschäden waren durchaus gravierend in Bürgstadt und Klingenberg, in Astheim gab es hingegen kaum Frost, das hat dem Weingut dann immerhin noch gute Mengen liefern können. »2024 ist ein klassischer Jahrgang mit schöner Reife, gar nicht unähnlich zu 2023. Weit weg von den heißen Jahrgängen wie 2022 oder 2019. Aber auch weit weg von den kühlen Jahren wie 2013 oder 2014. Der Jahrgang lebt von seinen sehr niedrigen Erträgen.«, konstatiert Sebastian Fürst. Der Schlossberg kann vor allem in kühleren Jahren brillieren, da es die wärmste Lage ist. In der Nase helle, rote Beeren, Schlehe, Schießpulver, Bleistiftabrieb, Jod, gepresste Pfingstrosen, Himbeermark. Selbst in einem kühlen Jahr behält er seine mediterrane, warme Steinwürze. Der Mund ist sehr fein, fast schwebend, er hat die zarteste Textur von allen GGs, wenngleich er hintenraus schon mit enorm viel Nachdruck. Er ist verschlossener als 2023, braucht Zeit und Luft. Wer die nötige Geduld mitbringt, kann in sieben, acht Jahren einen der faszinierendsten Schlossberge der letzten Jahre im Glas haben. Seine kühle, in sich ruhende Eleganz ist wunderbar, gibt aber noch nicht alle Geheimnisse preis aktuell.

Jahrgangsbericht

Der athletische Jahrgang 2024 begeistert in Deutschland als absolut authentisches Finessewunder. Die Weine bestechen durch kühle, nordisch-straffe Säure, die von reichlich Extrakt ummantelt wird. Das sorgt für einen animierenden, geschmeidigen Trinkfluss voller nuancierter Tiefe bei herrlich moderatem Alkohol.

Verkostungsnotiz
97
/100

Stuart Pigott über: Spätburgunder Klingenberger Schlossberg Großes Gewächs

Aromas of delicate wood a nd cherry. Very, very refined; on the palate, very delicate cherry notes. Mineral, with very subtle wood. Everything remains supremely refined, despite its great power. A very long, elegant finish. 97 (FE)

Mein Winzer

Rudolf Fürst

Franken ist Frankreich nicht nur phonetisch ganz nahe. Wer behauptet, dass exzellenter Pinot Noir, also Spätburgunder nur aus dem in Frankreich gelegenen Burgund stammt, hat mindestens die letzte Dekade verschlafen.

Spätburgunder Klingenberger Schlossberg Großes Gewächs 2024